| Pressemeldung | Nr. 076

Unterkommission Bioethik zu Gesprächen in Brüssel

„Bio- und sozialethische Herausforderungen sind eine fundamentale Aufgabe der Kirche“

 

Die Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz hat sich jetzt zu Gesprächen mit Vertretern europäischer Institutionen in Brüssel getroffen. Im Mittelpunkt standen Informationen über aktuelle und zukünftige Entwicklungen in Forschung und Medizin, welche die Gesellschaft vor brisante ethische Herausforderungen stellen. Die Unterkommission Bioethik machte gegenüber den europäischen Vertretern nachdrücklich die ablehnende Haltung der katholischen Kirche zu umstrittenen Forschungsprojekten mit humanen embryonalen Stammzellen und dem geforderten Recht auf Abtreibung deutlich.

Die anstehende Individualisierung der Medizin wurde ausführlich und differenziert erörtert. Es wurde deutlich, dass europäische Regelungen zu innovativen Gesundheitstechnologien und Medizinprodukten einen weitreichenden Einfluss auf das Gesundheitswesen haben. In diesem Zusammenhang ist es von hoher Relevanz, die Spannung zwischen den Interessen einer personalisierten Medizin und der allgemeinen Gesundheitspolitik wahrzunehmen. Sie provoziert ethische Fragen im Blick auf die Menschenrechte und das Gemeinwohl. Prinzipien wie Autonomie, Verteilungsgerechtigkeit, Solidarität und Datenschutz sowie die Veränderung des Verhältnisses zwischen Arzt und Patient müssen zum Wohl des Menschen gegeneinander abgewogen werden.

Mit Blick auf die vielfältigen bio- und sozialethischen Herausforderungen der Zukunft sieht der Vorsitzende der Unterkommission Bioethik, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), eine fundamentale Aufgabe der Kirche: „Durch den Vertrag von Lissabon ist gesichert, dass die Kirchen und Religionen ihre Grundüberzeugungen und Werteorientierungen in einen ‚offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog‘ mit der Europäischen Union einbringen können. Wir sind herausgefordert, diese Möglichkeit noch offensiver zu nutzen und uns kompetent und konstruktiv im Interesse der Würde des Menschen in die Gestaltung der Gesellschaft einzubringen“, so Bischof Fürst gestern zum Abschluss der Begegnungen.

Während der Tagung der Unterkommission Bioethik gab es auch ein Gespräch mit dem Bischof der belgischen Diözese Tournai, Guy Harpigny, über das Thema Sterben in Würde. Die belgische Situation wirkte dabei alarmierend. Aus der ursprünglichen Intention der Regierung, die aktive Sterbehilfe durch gesetzliche Regelungen einzudämmen, sei eine Dynamik entstanden, welche die aktive Lebensbeendigung plausibel erscheinen lässt und auch bei Minderjährigen und auch außerhalb der Sterbephase ermögliche. „Euthanasie ist bei uns zur alltäglichen Selbstverständlichkeit geworden“, so Bischof Harpigny. Alte und kranke Menschen stünden dadurch nicht selten unter einem subtilen sozialen Druck. Bischof Fürst betonte: „Als Quintessenz steht mir klar vor Augen, dass sich an der Frage des Umgangs mit dem Sterben grundlegende Fragen unseres Menschseins und unseres gesellschaftlichen Selbstverständnisses entscheiden. Wir müssen mit Nachdruck daran festhalten, dass auch jedes gebrechliche Leben lebenswert ist und unseres besonderen Schutzes bedarf.“