| Pressemeldung | Nr. 185

Deutsche Bischofskonferenz zum Europäischen Tag gegen Menschenhandel am 18. Oktober 2015

Bischof Trelle: „Schwerwiegendes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

Anlässlich des Europäischen Tages gegen Menschenhandel am 18. Oktober 2015 mahnt der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim), eine stärkere öffentliche Sensibilisierung für das Thema an: „Der Menschenhandel darf nicht als Phänomen ferner Länder und früherer Zeiten aufgefasst werden. Er muss als das erkannt werden, was er ist: ein schwerwiegendes Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das sich tagtäglich auch inmitten unserer Gesellschaft ereignet.“

Bischof Trelle ruft die politischen Verantwortungsträger dazu auf, die Anstrengungen im Kampf gegen den Menschenhandel weiter zu intensivieren: „Die Bekämpfung des Menschenhandels in unserem Land kann nur dann gelingen, wenn die Bundesregierung ein wirkungsvolles Gesamtkonzept vorlegt.“ Der im Juni 2015 von Experten des Europarats vorgelegte Bericht zur Lage des Menschenhandels in Deutschland („GRETA Report“) habe gezeigt, dass sowohl auf staatlicher als auch auf zivilgesellschaftlicher Ebene dringend eine bessere Koordination aller relevanten Akteure erforderlich sei. Außerdem fehle es in Deutschland nach wie vor an einer umfassenden Strategie zur Identifizierung der Opfer von Menschenhandel.

Eindringlich erinnert Bischof Trelle an das Schicksal der Opfer sexueller Ausbeutung in Deutschland: „Die Kirche steht an der Seite aller Menschen, deren Menschenwürde mit Füßen getreten wird. Den Frauen, die in unserem Land als Zwangsprostituierte unermessliches Leid erfahren, muss jede erdenkliche Hilfe zuteilwerden.“ Alle politischen Reformvorhaben in diesem Bereich seien daran zu messen, inwiefern sie den notleidenden Frauen einen Weg aus ihrer Zwangslage ermöglichen. Gleichzeitig dankt Bischof Trelle den Hilfsorganisationen, die Tag für Tag darum bemüht sind, unter widrigen Umständen Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution ausfindig zu machen und ihnen die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen.

Der Vorsitzende der Migrationskommission weist darauf hin, dass auch unter den Flüchtlingen, die derzeit in großer Zahl nach Deutschland kommen, Opfer von Menschenhandel sind: „In der aktuellen Situation ist zu befürchten, dass gerade unter den Flüchtlingen einige Opfer von Menschenhandel unentdeckt bleiben. Ihnen muss unsere besondere Aufmerksamkeit gelten.“


Hintergrund

Schätzungen zufolge sind weltweit mehr als 35 Millionen Menschen Opfer von Menschenhandel. Zwangsprostitution, Zwangsarbeit und Organhandel betreffen auch Europa.

Im Jahr 2014 ermittelten die Polizeibehörden in Deutschland 583 Opfer von Menschenhandel. Dabei handelte es sich in 95 Prozent aller Fälle um Opfer sexueller Ausbeutung. Experten gehen jedoch davon aus, dass die meisten Opfer von Menschenhandel in Deutschland statistisch nicht erfasst werden.

Die katholischen Organisationen, die sich in Deutschland im Kampf gegen den Menschenhandel engagieren, haben sich im Jahr 2014 auf Anregung der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz in der „Arbeitsgruppe Menschenhandel“ zusammengeschlossen. Neben dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und dem Katholischen Büro in Berlin sind in der Arbeitsgruppe der Deutsche Caritasverband, die Deutsche Kommission Justitia et Pax, das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis und die Frauenrechtsorganisation Solwodi vertreten. Zudem wird durch das von der Diakonie getragene Fraueninformationszentrum Stuttgart eine ökumenische Perspektive eingebracht.

Papst Franziskus betont immer wieder den Kampf gegen Menschenhandel: Im Dezember 2014 unterzeichnete er gemeinsam mit hochrangigen Vertretern anderer Religionsgemeinschaften im Vatikan eine Erklärung, die dazu aufruft, die „moderne Sklaverei weltweit bis 2020 und für alle Zeiten abzuschaffen“.


Hinweis:

Weitere Informationen unter weltkirche.katholisch.de/Themen/Menschenhandel.