| Aktuelle Meldung | Nr. 038

Bischofssynode in Rom: Wortbeitrag der Eheleute Petra und Aloys Buch

Auf der Bischofssynode in Rom haben heute (16. Oktober 2015) die Eheleute Petra und Aloys Buch, gesprochen. Wir dokumentieren diesen Redebeitrag vor der Synode:

Heiliger Vater, Hochwürdigste Synodenväter, liebe Schwestern und Brüder!
Wir freuen uns, in dieser Synode ein Zeugnis zu christlicher Ehe und Familie geben zu können.

Wir möchten nicht über komplexe theologische Fragen von Ehe und Familie sprechen – dies ist nicht unsere Aufgabe. Wir möchten auch nicht sprechen über anthropologische und soziologische Einsichten – dies ist nicht unser Thema. Unser Zeugnis betrifft einen Wunsch, eine Sorge und eine Hoffnung:

Unser Wunsch: Aus unserem Leben als Familie und mit Familien bezeugen wir den Wunsch, dass unsere Kirche und diese Synode die Sendung christlicher Ehe und Familie in heutiger Zeit neu verdeutlicht; vor allem, dass dies realistisch und ermutigend geschieht: weil christliche Ehe und Familie lebenswerte Formen christlicher Berufung sind, weil Bindung und Treue die Chance zu personaler Lebensentfaltung bieten, und weil das verlässliche Miteinander von vielerlei Egoismen und Zwängen befreien kann. Viele haben uns gesagt: Diese Lebensform bewährt sich ganz konkret da, wo Ehe und Familie durch Krankheit, materielle Not, die Sorge für Kinder und Angehörige mit all ihren verfügbaren Talenten herausgefordert werden; und auch da, wo Ehe und Familie einen intimen Raum für Versöhnung und Schuldvergebung schaffen. Wir bezeugen den Wunsch, dass die Synode dazu beiträgt, dass Ehe und Familie gerade heute als genuine Möglichkeiten humaner Lebensentfaltung entdeckt und gestaltet werden.

Unsere Sorge: Wir erleben Mitchristinnen und Mitchristen, deren Ehe und Familie aus ganz unterschiedlichen Gründen zerbrochen sind, deren Hoffnungen sich nicht erfüllt haben. Auf dem Weg zur Synode haben uns eine Reihe von ihnen in bewegender Offenheit ihre Lebenssituation anvertraut – darunter sind katholische Christen, die in ihrer Sehnsucht nach Zuneigung und Liebe eine neue Beziehung eingegangen sind; ein Teil hat erneut zivil geheiratet. Es hat uns beeindruckt, wie einige es explizit ablehnen, ihre kirchlich geschlossene Ehe einer Nichtigkeits-Prüfung zu unterziehen – und zwar weil sie von der christlichen Qualität ihrer ersten Ehe überzeugt sind. Hin- und hergerissen zwischen Wertschätzung der zerbrochenen Ehe, Reue über eigenes Versagen, aber auch Verantwortung für die neue zivile Ehe und Familie wünschen sie eine letztlich versöhnte, heile Mitgliedschaft in unserer Kirche. Wir bezeugen die Sorge, dass unser Erschrecken über Tragik und Schuld im Zerbrechen von Ehen uns den Blick verstellen kann für die großen Potentiale kirchlicher Versöhnung und personaler sittlicher Verantwortung auch unterhalb des Ideals.

Schließlich unsere Hoffnung: Wer konkrete Familien vor Augen hat, weiß, dass in ihnen zumeist Gemeinschaft gelebt, soziales Engagement eingeübt, gesellschaftliche Verantwortung vorbereitet wird. Christliche Ehe und Familie kann ein Stück weit Kirche im Kleinen sein - im Dienst am Nächsten, im Gebet, in der Weitergabe des Glaubens. Berufung und Sendung von Familie vertragen deswegen keine begrenzte Einbahnstraßen-Perspektive; sie erfordern einen weiten Blick, der Gottes Schöpfungs- und Heilswille, aber auch das pralle Leben erfasst. Deswegen bezeugen wir unsere Hoffnung, dass von dieser Synode ein kräftiger Impuls ausgeht, christliche Ehe und Familie als wesentliche Gestalter der Zukunft von Gesellschaft und christlicher Gemeinde neu zu entdecken. Und ein Impuls für alle Christen, sich für Ehe und Familie quer durch die Generationen einzusetzen – zumal in einer oft wenig familienfreundlichen Umwelt.

Wunsch, Sorge und Hoffnung bezeugen wir gerade in dieser Synode. Von ihr erwarten viele, in aller weltweiten Vielfalt und kulturellen Verschiedenheit, für Ehe und Familie Stärkung, Erneuerung und Ermutigung.