| Aktuelle Meldung | Nr. 041

Kardinal Marx: Im Wahljahr 2017 „am Guten orientieren“

Silvesterpredigt im Liebfrauendom in München

Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, ruft in seiner traditionellen Jahresschlusspredigt die Menschen dazu auf, sich insbesondere im Wahljahr 2017 für „ein gutes Miteinander in unserem Gemeinwesen einzusetzen“. Dafür einzutreten, „dass die Orientierung am richtigen, am guten Leben im Blick bleibt“, sei „eine Aufgabe gerade der Christen in einer pluralen Gesellschaft, die immer mehr um Einzelinteressen kreist und zu einem Zusammenhalt nicht mehr fähig ist“, sagt der Erzbischof von München und Freising und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz laut Redemanuskript am Silvestertag, Samstag, 31. Dezember 2016, im Münchner Liebfrauendom. „Wenn wir auf eine Lebensführung, die sich am Guten orientiert, verzichten, ist unsere Kultur wertlos geworden“, so Kardinal Marx. „Wenn das einzige Ziel der Einzelnen und Gruppen die Absicherung des eigenen Lebens und Wohlstandes ist, wie kann das noch zu einer gemeinsamen Kultur werden, zu einer Zivilisation, die anziehend und zukunftsfähig ist?“

„Gerade beim Jahreswechsel sollte uns klar sein, dass unsere Gesellschaft, unser Gemeinwesen Tugenden braucht, Menschen, die sich in Freiheit für das Gute entscheiden“, betont Kardinal Marx. Wer meine, „Politik könne auch das noch den Menschen abnehmen, irrt sich sehr“. Zwar seien gut funktionierende Institutionen der Maßstab für ein gutes Gemeinwesen, „und auch dafür müssen wir im Wahljahr 2017 eintreten. Aber letztlich können die Strukturen und Institutionen keinen Ersatz bieten für die Notwendigkeit, dass viele sich auf den Weg machen zu einem guten und gelingenden Leben.“ Christen könnten so im neuen Jahr zeigen, „dass wir ‚Salz der Erde‘ und ‚Licht der Welt‘ für unser Land sein wollen“, so der Erzbischof. „Mutlose und müde Christen sind das Letzte, was diese Gesellschaft und unser Land im neuen Jahr brauchen kann.“ Auch wenn „um uns herum in vielfacher Weise scheinbar ein ‚falsches Leben‘ stattfindet, dürfen wir uns die Wege zum richtigen, zum guten, zum glücklichen Leben nicht versperren lassen“.

Als Richtschnur nennt Kardinal Marx die christlichen Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß. „Klugheit ist jedem Menschen möglich. Es ist der gesunde Menschenverstand, der uns fähig macht, wahr und falsch auseinanderzuhalten, uns von Manipulation und Vorurteilen zu befreien, eben selber zu denken und unser Gewissen zu befragen.“ Der Beginn eines jeden glücklichen und guten Lebens sei deshalb „das immer neue Bemühen, Lüge und Wahrheit zu unterscheiden, Gut und Böse zu erkennen und danach zu handeln“.

Gerechtigkeit bleibe „ein Ziel: Es ist klar, vollkommene Gerechtigkeit gibt es auf dieser Welt nicht“, so der Erzbischof weiter. „Aber ich weiß auch: Mein Leben kann nur gut sein und gelingen, wenn ich ein gerechter Mensch bin. Ungerechtigkeit zerstört das Leben des Einzelnen und der Gesellschaft.“ Jesu Formulierung aus der Bergpredigt, „Was ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut auch ihnen“, sei „im Grunde die goldene Regel der Gerechtigkeit. Ohne eine solche Haltung, ohne ein solches Bemühen wird unser Leben auch im neuen Jahr nicht gut und glücklich werden.“

Quelle: Pressestelle Erzbistum München und Freising