| Pressemeldung | Nr. 176

Deutsche Bischofskonferenz würdigt christlich-jüdische Zusammenarbeit

Bischof Neymeyr: „Antisemitismus ist keine Meinung, sondern ein Angriff auf die Würde von Menschen“

„Die Arbeit der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit hat in den vergangenen 70 Jahren reiche Früchte getragen. Sie haben immer wieder die Verantwortlichen in den Kirchen ermahnt, sich mit dem antijüdischen Erbe christlicher Verkündigung auseinanderzusetzen.“ Diese Auffassung hat heute (27. Oktober 2019) Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt), Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz, anlässlich des 70-jährigen Jubiläums des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Frankfurt am Main betont. Bischof Neymeyr dankte für das Engagement, durch das die Kirchen ihr Verhältnis zum Judentum in den vergangenen Jahrzehnten grundsätzlich überdacht hätten.

Die starke Verbreitung der Gesellschaften der christlich-jüdischen Zusammenarbeit in Regionen und Kommunen bezeichnete Bischof Neymeyr als Glückfall. Seit 2005 gebe es regelmäßige Spitzengespräche zwischen der Allgemeinen und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz und den beiden großen Kirchen. „In diesen Gesprächen, die auch kontroverse Themen nicht aussparen, ist viel Vertrauen und gegenseitiges Verstehen gewachsen.“ Die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Deutsche Koordinierungsrat hätten, so Bischof Neymeyr, die politische Kultur in Deutschland mitgeprägt durch die Kultur der Erinnerung an den kulturellen Reichtum jüdischen Lebens, aber auch an Judenpogrome und die Shoah. „Mit Entsetzen müssen wir feststellen, dass heute die Erinnerung an die NS-Diktatur in des Wortes wörtliche Bedeutung pervertiert, nämlich völlig umgedreht wird, und dass der Weg von der Verharmlosung über die Gutheißung bis zur Nachahmung erschreckend kurz ist.“

Bischof Neymeyr betonte, dass es weiter Erinnerung und Aufarbeitung geben müsse. „Ein Schlussstrich kann nicht gezogen werden. Auch deshalb bin ich dankbar, dass Papst Franziskus für März 2020 die Öffnung der Vatikanischen Archive aus der Zeit von Papst Pius XII. angekündigt hat.“ Erinnerung, Aufklärung und Aufarbeitung seien ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen Antisemitismus und Judenhass. „Antisemitismus ist keine Meinung, deren Äußerung durch die Meinungsfreiheit geschützt ist, sondern ein Angriff auf die Würde von Menschen und damit ein Angriff auf den grundlegenden Wert unserer Demokratie. Hier sind wir gemeinsam zum Widerspruch verpflichtet. Hier hat sich der christlich-jüdische Dialog zu bewähren“, so Bischof Neymeyr.



Hinweis:

Das Grußwort von Bischof Dr. Ulrich Neymeyr ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.