| Pressemeldung | Nr. 152

Eröffnungsgottesdienst der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda

„Jesus geht an den Realitäten nicht vorbei“

Mit einem feierlichen Gottesdienst ist heute Morgen (24. September 2019) die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Fuldaer Dom eröffnet worden. An der Vollversammlung nehmen 65 Mitglieder der Bischofskonferenz teil. Bereits gestern hatte der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, zu den Bischöfen gesprochen.

In seiner Predigt erinnerte Kardinal Marx an die Ursprungssituation der Botschaft Jesu. „Sicherlich wäre es schön, eine Zeitreise zu machen, in die Vergangenheit und in die Zukunft. Ich würde gerne 1.000 Jahre in die Zukunft reisen und schauen, wo die Kirche steht. Auch wäre es schön, in die Vergangenheit zu reisen, um einen Moment in der Zeit Jesu zu leben. Dann würden wir Zeugen dessen, was Jesus verkündigt hat. Dann könnten wir ihn erleben, wie er aufgebrochen ist, um neue Wege zu gehen“, so Kardinal  Marx. „Die Predigt vom Reich Gottes war ein Zentrum der Verkündigung Jesu. Ihm ging es um eine neue Gottesbeziehung und um die Frage, was das Neue sei, um von Gott zu sprechen. Jesus gibt die Antwort selbst: Die Wirklichkeit Gottes ist unter Euch. Gott schenkt Euch diese Wirklichkeit. Ihr müsst nur die Augen und Ohren und Herzen öffnen!“

Das eindrucksvolle an der Person Jesu sei, so Kardinal Marx, dass er sich habe unmittelbar berühren lassen, von den Kranken, Verwundeten, Elenden und Besessenen. „Jesus geht an den  Realitäten nicht vorbei. Er vergibt Sünden. Und vor allem sagt er: Glaube nur! Steh auf! Was ist das für ein großartiges Wort der Aufrichtung und Ermutigung, das wir als Kirche gerade heute brauchen.“

Was damals vor 2.000 Jahren kaum denkbar gewesen sei, schaffe Jesus jetzt neu: „Er ruft dazu auf, eine neue Menschheitsfamilie zu gründen, neue Netzwerke zu schaffen, was wir Gemeinden nennen. Das ist das Überraschende bei Jesus, denn diese Form der Netzwerke war in der Antike im Sinne einer neuen Gemeinschaft nicht vorgesehen“, betonte Kardinal Marx. „Dieses Modell lässt alles Alte zurück, die Grenzen der Nationen, der Geschlechter, der Ungleichheit, der Unterdrückung. Es entsteht eine neue Gemeinschaft – die Kirche. Eine neue Bewegung, eine Gemeinschaft über alle Völker und Barrieren hinweg. Das ist das Neue an der Botschaft Jesu, woran wir uns auch heute messen lassen müssen!“

Kardinal Marx erinnerte daran, dass hier der Auftrag der Kirche liege, sich immer wieder auf den Anfang zurückzubesinnen, aber nicht in falsch verstandener Nostalgie. Die Botschaft Jesu fordere auf, stets neu zu beginnen. „Es gibt keine goldene Zeit der Vergangenheit oder eine Zeit, wo einfach alles besser war. Die Forderung Jesu lautet: Jetzt ist die Stunde, jetzt ist die Zeit, heute wird getan oder auch vertan worauf es ankommt, wenn er kommt. Euer und unser Gebet soll uns als Kirche in Deutschland helfen, unser Herz zu öffnen, immer neu anzufangen und das in Gang zu bringen, was uns notwendig erscheint. So bleibt die Person Jesus von Nazareth lebendig. So ist er nicht Vergangenheit sondern lebendige Gegenwart unseres Glaubens. Mit ihm und dieser Gegenwart gehen wir gestärkt unseren Weg als Kirche mit den kommenden Generationen.“