| Pressemeldung | Nr. 066
Ethische Sorge für den ganzen Menschen
Mit Blick auf die letzte Lebensphase haben viele Menschen Sorge vor einem Zustand, in dem sie ohne eigene Entscheidungsmöglichkeit einem System ausgeliefert sind, bei dem das Zusammenwirken von medizinischen, technischen, pharmazeutischen, pflegerischen Maßnahmen nicht mehr durchschaubar ist und keinen Raum für die persönlichen Belange lässt. Dazu zählen nicht zuletzt auch ökonomische Aspekte.
Seit vielen Jahren bieten die Kirchen die Christliche Patientenvorsorge an, um hier die Möglichkeit zu stärken, eigene Vorstellungen für diese Lebensphase zu reflektieren, mit Fachleuten und Nahestehenden zu besprechen und wirksam schriftlich festzuhalten.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass es für viele Menschen hilfreich ist, wenn sie bei einem solchen Reflexions- und Entscheidungsprozess kompetent begleitet werden, gerade dann, wenn dabei nicht allein medizinische Entscheidungen im Fokus stehen. Es kommt darauf an, den ganzen Menschen, die individuelle Person und ihre Vorstellungen, Wünsche, Ängste und Sorgen zu sehen und die sich daraus ergebenden Gedanken, Wünsche und Entscheidungen aufzunehmen. Auf einen solchen Begleitungsprozess ist die Konzeption angelegt, die sich mit dem englischen Begriff Advance Care Planning (ACP) verbindet. Dazu legt die Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz heute (4. Mai 2026) die Ethische Orientierungshilfe zur Ausgestaltung von ACP in kirchlichen Einrichtungen und Diensten vor.
Alle, die an ACP interessiert sind, sei es als Betroffene, Angehörige, Pflegende oder Ausbildende, finden in diesem Dokument Unterstützung, Anregung und Perspektiven für eine Praxis der Begleitung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Die Glaubenskommission hat den Text mit Unterstützung zahlreicher Fachleute erarbeitet. Er wurde mit kompetenten Personen aus der Praxis beraten und vom Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedet.
Bei ACP geht es darum, Menschen angesichts hohen Alters oder schwerwiegender Erkrankungen in einem strukturierten Gesprächsprozess durch fachlich geschulte Personen zusammen mit ihren Angehörigen zu begleiten. Im Verlauf dieses Prozesses sollen sie sich darüber klar werden können, wie ihre medizinische, pflegerische, psychosoziale, aber auch seelsorgerliche und spirituelle Betreuung und Behandlung in Situationen gestaltet werden soll, in denen sie selbst nicht mehr in der Lage sind, einzuwilligen oder zu widersprechen. ACP ist damit eine Form der Patientenvorsorge, die in Beziehung und im Prozess ausgestaltet wird. Dabei ist fachlich professionelles Handeln von ebenso großer Bedeutung wie eine gute Kommunikation von Mensch zu Mensch und nicht zuletzt auch eine ethische Grundorientierung, die sich der Würde der menschlichen Person und dem Schutz des Lebens verpflichtet weiß.
Im Vorwort des Dokumentes schreibt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen) als Vorsitzender der Glaubenskommission: „Wie bei vielen guten Ideen kommt es auch beim Advance Care Planning darauf an, wie gut es in der Praxis und im konkreten Alltag einer Klinik, einer Pflegeeinrichtung oder einer ambulanten Versorgung umgesetzt wird. Die Praxis von Advance Care Planning würde die ursprüngliche Idee völlig verfehlen, wenn es dabei nur darum ginge, möglichst schnell zu einem ausgefüllten und unterschriebenen Formular zu kommen, das belastbar über die medizinische Behandlungszustimmung Auskunft gibt. Nicht nur in kirchlich getragenen Einrichtungen, aber gerade da ist es unverzichtbar, dass in einem solchen Prozess der ganze Mensch mit seinen Bedürfnissen, Nöten, Sorgen, aber auch Wünschen und Hoffnungen und nicht zuletzt mit seinem Glauben in den Blick genommen wird.“
Hinweise:
Hier finden Sie das Dokument Ethische Orientierungshilfe zur Ausgestaltung von Advance Care Planning in kirchlichen Einrichtungen und Diensten als PDF-Datei zum Download. Dort kann die Publikation auch als Broschüre (Die Deutschen Bischöfe – Glaubenskommissionen Nr. 60) bestellt werden (aktualisiert am 11. Mai 2026).
