| Pressemeldung | Nr. 021
Frühjahrs-Vollversammlung 2026: Dankrede aus Anlass der Verabschiedung von Bischof Dr. Georg Bätzing aus dem Amt des Vorsitzenden
Liebe Mitbrüder,
liebe Frau Dr. Gilles,
liebes Team Bonn,
lieber Georg!
Jetzt ist der Zeitpunkt Dank zu sagen! Dank, lieber Georg, an Dich für Dein Wirken in den vergangenen sechs Jahren. Zu den besonders schönen Aufgaben des stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gehört es, den Dank aller Mitbrüder auszusprechen für Deinen Dienst für uns alle. Mir ist beim Rückblick aufgefallen, wie speziell diese Amtszeit war, und es gehört wohl zu unserer Zeit, dass die Herausforderungen sich sehr schnell wandeln.
Als Du am 3. März 2020 zum Vorsitzenden gewählt wurdest, war die Corona-Pandemie bereits vor unserer Tür. Nur wenige Tage nach der Vollversammlung begann das Krisenmanagement – gerade auch für Dich als Vorsitzenden. Shutdown, Kirchenschließungen, die Krise um Weihnachten 2020 und vieles mehr. Mit großem Respekt sagen wir Dir heute Dank für Dein behutsames und beherztes, für Dein realistisches und konsequentes Management in dieser Situation. Bisweilen wurdest Du damals als Corona-Vorsitzender bezeichnet, der die Kirche unter Covid-Bedingungen steuerte.
Stichwort steuern: Du, lieber Georg, warst ein Vorsitzender, der moderierend gesteuert hat – anders wäre unsere Konferenz auch gar nicht zusammenzuhalten. Mit großem Respekt sagen wir Dir Dank für diese Aufgabe, die Du immer – trotz mancher notwendiger Spannungen – in einem starken Miteinander mit uns geleistet hast. Jeder kam in Ständigen Räten und Vollversammlungen zu Wort, niemanden hast Du übersehen. Dabei sind wir im Aushalten unserer Unterschiede noch Lernende. Dein behutsames Steuern und vor allem Deine treffsicheren Zusammenfassungen haben uns geholfen – und damit auch Krisen bestanden.
Krisen und Moderation – diesen Gedanken möchte ich aufgreifen, wenn ich an den Ad-limina-Besuch 2022 denke. Wie wichtig war da Deine Moderation in vielen Gesprächen und wie denkwürdig war jene Begegnung mit den Spitzen der Römischen Kurie, bei der viele von uns damals den Atem anhalten mussten. Dass daraus eine ganze Reihe von römischen Spitzengesprächen unter Deiner Leitung geworden sind, ist nicht nur ein starkes Zeichen von Entwicklung, sondern auch die Ergebnisse sind greifbar. Dir ist wachsendes Vertrauen in der Römischen Kurie gelungen und Du warst dort gut vernetzt, auf Deine Art und Weise, aber Du warst präsent.
Das gilt besonders für die beiden Sessionen der Weltsynode zur Synodalität, an denen Du teilgenommen hast. Dir ist dabei eine internationale Vernetzung gelungen, insbesondere der Brückenschlag zu den Vertretern anderer Bischofskonferenzen, und Du hast Deinen persönlichen Erfahrungsprozess gemacht, von dem Du immer wieder berichten konntest: Im Hören auf den Anderen wird die eigene Perspektive geweitet, und es hilft, dann gemeinsame Wege des Handelns zu suchen.
Dieses Gemeinsame realisiert für Dich ausdrücklich der Synodale Weg der Kirche in Deutschland. Du hast Dich nicht gedrängt, das von Deinem Vorgänger, Kardinal Reinhard Marx, angestoßene Projekt zu übernehmen. Aber Du hast Dich in die Pflicht nehmen lassen und diese ist Dir zum Ansporn geworden. Ja, es gab Konflikte und auch die schon erwähnten Spannungen. Aber durch Dein unermüdliches Vermitteln, Dein Ringen um Formulierungen in Texten und auch Deinen bewundernswerten Umgang mit den verschiedenen Kräften im ZdK hast Du nicht gespalten, wie einige in diesen Tagen behaupten, sondern den gesamten Komplex zusammengehalten. Deinem Einsatz ist es zu verdanken, dass wir am Ende nicht nur gesichtswahrend, sondern auch inhaltsstark den Synodalen Weg in seiner ersten Phase beendet haben. Vielleicht hast Du uns manchmal zu wenig deutlich gesagt, welche Wogen Du auch auf der anderen Seite zu glätten hattest, und ich kann als später Vize des Synodalen Weges nur erahnen, wie viel Kraft es gekostet hat. Bewundert habe ich Dich für Deine Fähigkeit, mit großer Offenheit in die Prozesse zu gehen und auf den Geist Gottes zu vertrauen. Mit diesem Vertrauen kannst Du nun auch sagen, dass jetzt ein anderer Lust und Last dieses Amtes erfahren darf.
Lieber Georg, Deine Haltung, Dein Stil und Deine Fähigkeit, Dialog zu fördern, haben Deine Amtszeit geprägt. Ich möchte noch wenige Aspekte nennen, die insbesondere Deine Handschrift tragen und für die wir mehr als dankbar sein können: Ich nenne das Dokument gegen völkischen Nationalismus in unserem Land und die messerscharfe Brandmauer gegen die AfD. Es ist gut, dass wir diese Positionierung gemeinsam durch Dich geschafft haben. Das gilt auch für die zahlreichen Äußerungen von Dir zum Lebensschutz, und zwar vom Anfang bis zum Ende: sei es in neu aufflammenden Debatten zum § 218 oder zum assistierten Suizid bis hin zur Neufassung der Christlichen Patientenvorsorge. Du stehst für das Leben und bist dafür mutiger Zeuge in den vergangenen sechs Jahren gewesen, insbesondere wenn ich mich an Deinen Auftritt bei „Hart aber fair“ genau zu diesen Themen erinnere. Als weitere Aspekte nenne ich Deine intensive Präsenz im politischen Berlin, Deine engagierten Dialoge in der Ökumene, insbesondere wenn ich an den von Dir mitverantworteten Dritten Ökumenischen Kirchentag – unter Corona-Bedingungen – in Frankfurt denke. Es war Dir wichtig, das Gespräch mit der evangelischen und orthodoxen Kirche zu suchen, und auch da sind Dir Brückenschläge gelungen, die lange nachwirken. Ich erwähne auch Deine sensiblen Äußerungen im geopolitischen Kontext: Du warst es, der den ukrainischen Großerzbischof Shevchuk zu einer programmatischen Rede beim St. Michael-Jahresempfang eingeladen hat. Gleichzeitig erinnere ich an Deine Reise nach Israel und Palästina, wo Du gerade gegenüber dem Judentum starke Zeichen in Yad Vashem und mit Deiner Präsenz auf dem Nova-Festival-Gelände nahe des Gaza-Streifens gesetzt hast.
Liebe Mitbrüder, wir sollten uns eines vor Augen halten – auch mit Blick auf den morgigen Tag: Als Vorsitzender ist man mehr als doppelt gefordert, denn alles, was getan oder gesagt wird, wird auch unter dem Vorzeichen „der Vorsitzende“ gesehen, und von der zeitlichen Belastung möchte ich gar nicht sprechen. Machen wir uns diesen Einsatz bitte bewusst. An dieser Stelle möchte ich betonen: Man ist als Vorsitzender zum Glück nicht allein, das erfahre ich auch als stellvertretender Vorsitzender. Es gibt das großartige Team in Bonn.
Lieber Georg, was bleibt? Wir sagen Dir heute Abend „nur“ den Dank für Deine Amtszeit als Vorsitzender. Du bleibst uns erhalten, wie Du selbst so schön in den vergangenen Wochen betont hast. Darum bitten wir Dich: Geh den Weg mit uns weiter, den Du als Vorsitzender gesteuert hast. Lass uns zusammen an der von Papst Franziskus und Papst Leo gewünschten synodalen Kirche arbeiten. Und sei bitte mit Deinem Engagement weiterhin in all den Themen dabei, auch wenn Du nun die Last des Vorsitzes abgeben kannst.
