| Pressemeldung | Nr. 163

Fünf Jahre Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus

Bischof Wilmer: „Ein Weckruf für Deutschland, für Europa und die ganze Welt“

Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ (Hildesheim), Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz, hebt anlässlich des fünften Jahrestages der Veröffentlichung der Enzyklika „Fratelli tutti – Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“ von Papst Franziskus die besondere Bedeutung des päpstlichen Rundschreibens hervor:

„Vor fünf Jahren (am 3. Oktober 2020) hat Papst Franziskus seine Enzyklika Fratelli tutti veröffentlicht. Sie war damals ein prophetisches Wort – und sie ist es noch immer. Denn vieles von dem, was Franziskus anmahnte, ist bis heute nicht eingelöst.

Darin heißt es: ‚Die Globalisierung der Gleichgültigkeit hält weiter an. Das ist der Skandal unserer Zeit.‘ Mit dieser Klarheit hat der Papst die Welt aufgerüttelt – und auch nach einem halben Jahrzehnt bleibt seine Botschaft eine offene Wunde und eine dringende Aufgabe. Franziskus warnte vor Nationalismus, Egoismus und politischer Kurzsichtigkeit. Er rief zu Brüderlichkeit, Solidarität und Frieden auf. Fünf Jahre später sehen wir: seine Diagnose war richtig, seine Therapie bleibt nötig. ‚Nationalismus spaltet, Brüderlichkeit heilt.‘ Dieser Satz von Papst Franziskus ist nicht leiser geworden, er ist lauter denn je. Und weiter: ‚Die Menschheit überlebt nicht mit verschlossenen Grenzen, sondern mit offenen Herzen.‘ Diese Mahnung gilt im Angesicht von Kriegen, Fluchtbewegungen und globalen Krisen. ‚Der barmherzige Samariter sieht nicht den Fremden, sondern den Bruder.‘ Dieses Bild ist der Prüfstein für Glauben und Politik zugleich. Über allem aber steht: Fratelli tutti ist kein frommer Text – es ist ein weltweiter Friedensappell.

Mit Papst Leo XIV. ist nun ein Nachfolger angetreten, der diese Linie weiterführt. Auch er betont, dass die Kirche nur dann glaubwürdig bleibt, wenn sie an der Seite der Schwachen steht, wenn sie Brücken baut und nicht Grenzen verstärkt. Papst Franziskus hat uns vor Augen gestellt: Der Prüfstein unserer Menschlichkeit ist der Blick auf die Verwundeten, auf die Ausgegrenzten, auf die Opfer von Gewalt. Wer hinsieht, verändert die Welt. Wer wegsieht, verlängert das Leid. Auch fünf Jahre nach Veröffentlichung gilt: Fratelli tutti ist nicht überholt, sondern aktueller denn je. Die Enzyklika bleibt ein Weckruf – für Deutschland, für Europa, für die ganze Welt.“


Hintergrund

Eine Enzyklika (gr. kyklos = Kreis) ist ein päpstliches Rundschreiben an einen Teil oder an alle Bischöfe sowie an alle Gläubigen, oft auch an alle Menschen guten Willens. Sie befasst sich mit Gegenständen der Glaubens- und Sittenlehre, der Philosophie, der Sozial-, Staats- und Wirtschaftslehre sowie der Disziplin und der Kirchenpolitik. Päpstliche Rundschreiben sind Ausdruck oberster Lehrgewalt des Papstes, aber keine „unfehlbaren“ Lehräußerungen. Sie wurden von Papst Benedikt XIV. (1740–1758) eingeführt. Die meist lateinischen Anfangsworte bilden den Titel der Enzyklika.

Papst Franziskus hat insgesamt vier Enzykliken veröffentlicht: Am 29. Juni 2013 erschien die Enzyklika Lumen fidei – Über den Glauben, am 24. Mai 2015 die Enzyklika Laudato si᾿– Über die Sorge für das gemeinsame Haus, am 3. Oktober 2020 die Enzyklika Fratelli tutti – Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft und am 24. Oktober 2024 die Enzyklika Dilexit nos – Über die menschliche und göttliche Liebe des Herzens Jesu Christi.


Hinweise:

Weitere Informationen finden Sie auf der Themenseite zur Enzyklika Fratelli tutti. Die Enzyklika kann in der Rubrik Publikationen als Broschüre bestellt oder als PDF-Datei heruntergeladen werden.