| Aktuelle Meldung | Nr. 002
Pressestatement des neu gewählten Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“ Mit diesem Worten aus dem Gebet des Gloria beginnt die Kirche ihren Lobpreis. Diese Verse aus dem Lukasevangelium tragen eine doppelte Bewegung in sich: den Blick zu Gott und den Blick auf die Menschen. Gott im Zentrum und der Friede für die Welt und die Gerechtigkeit als Aufgabe.
Den Mitbrüdern im bischöflichen Dienst bin ich dankbar für ihr Vertrauen. Mein Vorgänger, Bischof Georg Bätzing, war sechs Jahre lang unser Vorsitzender. Du, lieber Georg, hast unsere Konferenz geleitet in schwerer Zeit. Dir gebühren mein Respekt und meine ganze Dankbarkeit.
Mein Dank gilt allen Gläubigen, die in den vergangenen Tagen und Wochen um den Heiligen Geist gebetet haben, um eine gute Entscheidung. Ich weiß von vielen, die eine Kerze angezündet haben. Ihr Zeugnis, wie sie Glaube, Hoffnung und Liebe miteinander verbinden, bewegt mich. Ich wende mich an die Katholikinnen und Katholiken in unserem Land: Sie sind das lebendige Gesicht der Kirche. In Gemeinden, Verbänden, Caritas, Schulen, in Familien, im stillen Gebet tragen sie den Glauben. Unser Glaube ist eine Quelle von Kraft und Weite. Er schenkt Halt, er verbindet Generationen, er öffnet Räume der Hoffnung. Und diese Hoffnung, dass Gott uns trägt, leben wir in ökumenischer Verbundenheit mit allen evangelischen und orthodoxen Schwestern und Brüdern sowie mit unseren jüdischen und muslimischen Geschwistern.
Papst Franzsikus hat uns neu vor Augen gestellt, dass das Evangelium Freude ist. Eine Freude, die trägt und bewegt. Papst Leo führt diesen Weg mit geistlicher Klarheit fort. Das weltweite synodale Geschehen hat uns erfahren lassen, wie wertvoll das gemeinsame Hören ist. Synodalität bleibt eine geistliche Haltung. Miteinander unterwegs sein, Verantwortung teilen, Entscheidungen gemeinsam tragen – Christus steht im Zentrum. Aus dieser Mitte wächst Vertrauen und Vertrauen schafft Zukunft. Es wird darum gehen, das Evangelium zu verkünden mit aller Kraft, notfalls auch mit Worten.
Ein besonderes Wort gilt den Menschen, die in der Kirche sexualisierte Gewalt erfahren haben. Ihre Stimmen haben Gewicht. Jeder Schritt der Aufarbeitung gewinnt Tiefe und Wahrheit durch ihr Zeugnis. Zuhören und Verlässlichkeit prägen diesen Weg. So entsteht ein Raum, in dem Würde geschützt ist und Vertrauen neu wachsen kann. Dieser Weg verbindet uns.
Und wir schauen heute, am Jahrestag des russischen Angriffs auf eine Welt, die nach Frieden ruft. Seit vier Jahren dauert der Krieg in der Ukraine. Vier Jahre voller Leid, voller Zerstörung, voller Tränen. Städte in Trümmern und Familien getrennt, Kinder im Schutzraum, Mütter auf der Flucht, Väter an der Front. Wie viel Unrecht, wie viel Gewalt, wie viele Wunden in den Herzen der Menschen. Im Namen Gottes: Dieser Krieg braucht ein Ende. Jetzt. Frieden ist kein ferner Traum. Frieden ist eine Aufgabe. Ein Frieden, der den Namen verdient, wächst aus Gerechtigkeit. Er schützt die Würde jedes Menschen, er achtet das Recht. Dieser Frieden sucht Versöhnung. Wir stehen an der Seite der Menschen in der Ukraine. Wir stehen an der Seite aller, die unter Krieg leiden. Wir glauben an die Kraft des Rechts vor der Gewalt. Wir glauben an die Würde vor der Zerstörung. Gott ist ein Gott des Lebens. Wo Menschen für Frieden einstehen, dort wächst Hoffnung und dort beginnt Zukunft.
Die katholische Kirche hat eine schwere Zeit hinter sich. Wir haben viel gerungen, doch es geht nach vorn. Ich bin in vielen Gemeinden unterwegs und mit Jugendlichen im Gespräch. Und ich bin immer wieder positiv überrascht. Wir haben Probleme und Herausforderungen. Ja, aber die Gläubigen vor Ort sind gut drauf. Davon lasse ich mich als Bischof anstecken. Kirche ist für viele ein wichtiger Anker. Mit unserem sozialen Engagement sind wir eine Säule in der Gesellschaft. Die katholische Soziallehre ist eine prophetische Stimme für alle Menschen. Diese Stimme gilt es, stärker werden zu lassen. Die Katholikinnen und Katholiken in Deutschland wollen die Kirche selbstbewusst und auch demütig in eine neue Zeit tragen.
Dabei gibt es eine große Vielfalt aus dem Evangelium heraus zu leben, aber gemeinsam folgen wir Jesus Christus nach. Die katholische Kirche ist attraktiv. Unsere christliche Botschaft ist, dass es eine Hoffnung gibt, die größer ist als naiver Optimismus. Die christliche Hoffnung ist frei von Defätismus und Untergangssehnsucht. Unsere Gesellschaft leidet daran, dass der Nachbar zum Feind wird und jedes Gegenüber zum potenziellen Gegner werden kann. Die Kraft des Evangeliums ist es, aus seiner Haltung der Demut stark zu sein. Das gilt auch für politische Auseinandersetzungen. Die katholische Kirche in Deutschland will Botschafterin eines höheren und gerechten Friedens sein – nach innen und nach außen. Uns beschweren die Krisenherde der Welt. Wir beten für den Frieden in der Ukraine, im Nahen Osten und in vielen Krisenherden der Welt.
Doch wir sorgen uns auch um den inneren Unfrieden in Deutschland. Die Demokratie organisiert die Uneinigkeit einer Gesellschaft in gerechter und friedvoller Weise. Unsere Demokratie in Deutschland ist ein Weg, den wir mitgehen wollen. Auf dem wir auch selbst uns einüben müssen. Wir tun dies im Vertrauen auf Jesus Christus und aus der Kraft des Heiligen Geistes.
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen seiner Gnade.“ Diese beiden Sätze sind mein Kompass. Gott Raum geben und gemeinsam am Frieden bauen. In dieser Zuversicht gehen wir weiter.
Herzlichen Dank ihnen an dieser Stelle für ihre Arbeit. Und an dieser Stelle freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Frau Dr. Beate Gilles und mit Dr. Matthias Kopp. Herzlichen Dank allen.
