| Pressemeldung | Nr. 089

Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen beendet Reise nach Äthiopien

„Europa darf Äthiopien nicht alleine lassen“

© Deutsche Bischofskonferenz / Jörn Neumann
Shire, Äthiopien: Erzbischof Heße in der ARRA Primary School auf dem Gelände des May-Aini-Refugee-Camp.

Der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz und Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), hat heute (25. Mai 2019) seine Reise nach Äthiopien beendet. Seit Montag (20. Mai 2019) war er in dem ostafrikanischen Land, um sich über die Situation von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen zu informieren.

Während seines fünftägigen Aufenthalts hatte Erzbischof Heße Gelegenheit, in zwei Flüchtlingslagern die Lebenssituation von Flüchtlingen kennenzulernen: im Jewi Camp in Gambella, das etwa 62.000 südsudanesischen Schutzsuchenden Zuflucht gewährt, und im nordäthiopischen Lager Mai Aini, wo über 20.000 Flüchtlinge aus Eritrea leben. Der Besuch beider Lager wurde vom äthiopischen Flüchtlingsamt ARRA und vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR begleitet.

Um Spannungen zu mindern, versuchen der äthiopische Staat und die vor Ort tätigen internationalen Organisationen, in Hilfsprojekte für Lagerbewohner auch die lokale Bevölkerung einzubeziehen. „Wenn die einheimische Bevölkerung sich gegenüber den Flüchtlingen benachteiligt fühlt, entstehen schnell Konflikte und die Flüchtlingsarbeit gerät in Misskredit. Mehr noch: Flüchtlingsprogramme können nur dann auch zu einem entwicklungspolitischen Erfolg werden, wenn sie auf ganze Städte und Regionen ausgerichtet sind“, so Erzbischof Heße.

Die katholische Kirche setzt sich in Äthiopien sowohl pastoral als auch caritativ für die Belange der Flüchtlinge ein. Während in Gambella vor allem die Salesianer Don Boscos aktiv sind, gibt es in Mai Aini mehrere Projekte des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes. Wesentliche Beiträge leisten auch die jeweiligen Bistümer. Erzbischof Heße zeigte sich von diesem Engagement beeindruckt: „Die Katholiken bilden nur knapp ein Prozent der äthiopischen Bevölkerung. Aber in der Flüchtlingsarbeit, im sozialen Bereich und in der Bildung ist die Kirche einer der wichtigsten gesellschaftlichen Akteure.“

Im Lager Mai Aini feierte Erzbischof Heße eine Heilige Messe mit katholischen Flüchtlingen aus Eritrea, in Gambella betete er mit zahlreichen südsudanesischen Geflüchteten in einer Kirche, deren Bau von Missio ermöglicht wurde. „Die Glaubenskraft dieser Menschen hat mich tief berührt. Ein Priester von hier sagte mir: Die Flüchtlinge haben alles verloren - außer ihren Glauben. Davon habe ich in diesen Tagen etwas gespürt.“

Neben etwa einer Million Flüchtlinge aus Nachbarländern wird die Lage in Äthiopien durch inzwischen ca. drei Millionen Binnenvertriebene erschwert, in erster Linie Opfer ethnischer Konflikte, die in letzter Zeit deutlich zugenommen haben. In der Nähe von Gondar besuchte Erzbischof Heße gemeinsam mit Bischof Lisane-Christos Semahun (Eparchie Bahir Dar-Dessie) ein provisorisches Lager für Binnenvertriebene sowie eine von Ordensschwestern betriebene Bildungs- und Sozialeinrichtung, die vor allem jungen Geflüchteten zugute kommt. „Der gegenseitige Hass verschiedener Stämme und Gruppen hat dramatische Ausmaße angenommen. Der für Äthiopien prägende ethnische Föderalismus ist in die Krise geraten. Gleichzeitig habe ich im Gespräch mit ehemaligen Stipendiaten des Katholischen Akademischen Ausländer-Dienstes (KAAD) erfahren, dass es auch ermutigende Ansätze für ein neues gesellschaftliches Miteinander in Äthiopien gibt.“ Dazu gehört laut Erzbischof Heße nicht zuletzt die neu eingerichtete staatliche Versöhnungskommission, zu deren Vorsitzenden der katholische Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus Souraphiel CM, ernannt wurde.

In Gesprächen mit dem Kardinal, der äthiopischen Entwicklungsministerin Fitsum Assefa Adela, der deutschen Botschafterin Brita Wagener sowie Vertretern der Afrikanischen Union und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erörterte Erzbischof Heße Perspektiven für die Überwindung der spannungsvollen Situation und einen humanitären Umgang mit Fluchtbewegungen. In diesem Zusammenhang ist auch die Umsetzung des Globalen Flüchtlingspakts in Äthiopien von Bedeutung. „In Äthiopien ist mir einmal mehr deutlich geworden, dass Migration und Flucht nicht bloß eine Herausforderung für einzelne Länder und Regionen darstellen. Sie fordern uns global heraus. Und gerade deshalb bedarf es auch globaler Lösungen. Europa darf Äthiopien nicht alleine lassen - ansonsten verrät es die Humanität. Wer sich der internationalen Zusammenarbeit in Migrationsfragen entzieht, handelt letztlich auch gegen seine eigenen Interessen“, erklärte Erzbischof Heße.

Wichtige Hinweise für Medienvertreter:

Alle Informationen zur Reise sind unter www.fluechtlingshilfe-katholische-kirche.de unter Reise nach Äthiopien verfügbar.

Fotos der Reise in Druckqualität sind kostenfrei verfügbar. Link zur Foto-Auswahl: https://gallery.joernneumann.de/dbk_reise_aethiopien  
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