Preisverleihung 2018

Lauren Wolk und Birgitt Kollmann für „Das Jahr, in dem ich lügen lernte“ ausgezeichnet

Zum 29. Mal hat die Deutsche Bischofskonferenz am 24. Mai 2018 den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis verliehen. Bei einem Festakt im Bonner Haus der Geschichte übergaben der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), und Weihbischof Robert Brahm (Trier), Vorsitzender der Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises, die Preisträgerstatuette an die US-amerikanische Autorin Lauren Wolk und die deutsche Übersetzerin Birgitt Kollmann für ihren Jugendroman „Das Jahr, in dem ich lügen lernte“. Lauren Wolk erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte der elfjährigen Farmerstochter Annabelle, die in der Konfrontation mit dem brutalen Mobbing ihrer Mitschülerin Betty beherzt und mutig für die Wahrheit eintritt. Die Jury hatte das Buch aus insgesamt 280 Titeln ausgewählt, die von 76 Verlagen eingereicht wurden.

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In seiner Begrüßung hob Bischof Fürst die dramaturgische Raffinesse hervor, mit der Lauren Wolk die Geschichte von Annabelle erzählt: „Diese Geschichte erschüttert. Sie schildert eindringlich, dass es Dinge gibt, die wir nicht fassen können, die wir nicht in der Hand haben, die wir nicht verhindern können, so sehr wir uns anstrengen mögen und dabei die besten Absichten haben.“ Aber, so der Bischof weiter, die Autorin lässt ihre junge Protagonistin damit nicht alleine: „Es sind die Liebe und der Rückhalt ihrer Familie, die es Annabelle ermöglichen, diese Bürde zu tragen und weiterhin mutig und aufrecht durchs Leben zu gehen.“

In ihrer Laudatio würdigte auch die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Dr. Susan Kreller das Werk von Lauren Wolk und Birgitt Kollmann: „Die Figuren im Roman sind so nuanciert gezeichnet, dass man das moralische Dilemma der Protagonistin, die sich in Lügen verstrickt, um Toby zu helfen, nahezu detailliert nachempfinden kann. […] Lauren Wolk vermag es, durch einzelne Sätze, ja Wörter ganze Panoramen zu erschaffen.“ Die prägnante und sinnlich anregende Sprache des Romans habe die Übersetzerin Birgitt Kollmann behutsam und entschieden ins Deutsche übertragen.

Lauren Wolk bedankte sich bei der Jury und der Deutschen Bischofskonferenz für die Auszeichnung und verwies auf das Potential von Büchern in der Bewältigung von schwierigen und furchtbaren Situationen: „Ein Buch kann uns mit am besten daran erinnern, dass wir alle miteinander verbunden sind. Dass wir einander die Stärke schulden, die wir mit anderen teilen können. Dass selbst die Schwächste unter uns stärker ist, wenn sie mehr gibt als sie nimmt.“ Auch Birgitt Kollmann, die den Preis schon zum zweiten Mal für eine Übersetzung erhält, bedankte sich und beschrieb ihr Verständnis von der Rolle des Übersetzers mit dem Bild des Fährmanns, der seine kostbare Fracht, den Originaltext, „möglichst verlustarm über das manchmal doch recht tiefe Wasser“ bringt.

Zur Autorin

Lauren Wolk wurde am 28. Oktober 1956 in Baltimore, Maryland (USA), geboren. Sie ist Schriftstellerin, Dichterin und bildende Künstlerin. An der Brown University studierte sie Literatur, arbeitete u. a. als Redakteurin, Feuilletonistin und Lehrerin und ist derzeit stellvertretende Leiterin des Cultural Center of Cape Cod. Auf der Halbinsel ist sie mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen auch zuhause. „Das Jahr, in dem ich lügen lernte“ ist Lauren Wolks Debüt. Für „Wolf Hollow“, das englische Original von „Das Jahr, in dem ich lügen lernte“, wurde Wolk der US-amerikanische Preis Newbery Honor verliehen.

Zur Übersetzerin

Birgitt Kollmann, geboren am 8. Februar 1953 in Duisburg, studierte in Heidelberg Englisch, Spanisch und Schwedisch und arbeitete anschließend als Übersetzerin, unter anderem im Bereich Entwicklungshilfe, bis sie mit ihrer Familie nach Argentinien zog. Seit der Rückkehr an die hessische Bergstraße vor gut zwanzig Jahren hat sie über siebzig Bücher übersetzt. Mehrfach war sie für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert; 2008 erhielt sie zusammen mit Michael Gerard Bauer den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis für sein Buch „Running Man“.

Ansprachen bei der Preisverleihung
  • Grußwort von Bischof Dr. Gebhard Fürst
    Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz am 24. Mai 2018 im Haus der Geschichte in Bonn
  • Laudatio von Dr. Susan Kreller
    Journalistin, Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin, am 24. Mai 2018 im Haus der Geschichte in Bonn
  • Danksagung von Lauren Wolk
    Preisträgerin und Autorin, am 24. Mai 2018 im Haus der Geschichte in Bonn
  • Danksagung von Birgitt Kollmann
    Preisträgerin und Übersetzerin, am 24. Mai 2018 im Haus der Geschichte in Bonn
  • Jurybegründung
    zum Preisbuch „Das Jahr, in dem ich lügen lernte“