Heiliger Martin

Der Gedenktag des heiligen Martin ist der 11. November. Nur wenige Persönlichkeiten können sich mit der zeitübergreifenden Popularität von Sankt Martin (316/317 – 397) messen. Das Kernstück seiner Legende ist die „Mantelteilung“.

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© KNA
Laternen bei einem Martinszug in Rheinbach

Heilige

Heilige spielen in der katholischen Kirche eine zentrale Rolle als Vorbilder christlichen Lebens. Sie sind Adressaten, an die man sich mit einer Fürbitte wenden kann. Ursprünglich war der Heiligenstatus nur den Märtyrern (erstmals Polykarp von Smyrna, gest. 156 n. Chr.) vorbehalten. Jedoch wurde dieser Status schon sehr bald auch anderen zugesprochen.

Jugend und Mantelteilung

Um 316/317 wurde Martin in Sabaria, Hauptstadt der römischen Provinz Pannonien, im heutigen Ungarn, als Sohn eines römischen Offiziers geboren. In Pavia erzogen, wohin der Vater als Militärtribun versetzt worden war, trat er mit 15 Jahren in die römische Armee ein.

Mitten in einem harten Winter begegnete Martin am Stadttor von Amiens (Civitas Ambianensium) einem armen, unbekleideten Mann. Vom Geist Gottes erfüllt begriff er, dass es seine Aufgabe war, dem Bettler zu helfen. Aber außer dem Militärmantel, den Martin trug, besaß er nichts. Deshalb fasste er sein Schwert, teilte seinen Mantel in der Mitte und gab die eine Hälfte dem Armen, die andere Hälfte zog er sich selbst über. In der Nacht, die auf die Mantelteilung folgte, erschien Martin im Traum Jesus Christus, bekleidet mit Martins halbem Militärmantel. Zu den ihn umgebenden Engeln sprach Christus: „Martinus, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet!“

Nach diesen Ereignissen ließ sich Martin in Amiens taufen. Es wird berichtet, dass sich Martin nach seiner Mantelteilung weiterhin nach Kräften um gute Werke bemühte: Er stand Kranken bei, brachte Notleidenden Hilfe, gab Hungernden Nahrung, bekleidete Nackte und behielt von seinem Sold nur das zurück, was für das tägliche Leben unverzichtbar war.

Bischof

Als Bischof wandte Martin alle Kraft auf, um seine Aufgabe mit großem Ernst und Nachdruck zu verwirklichen und lebte weiter in Demut und Bescheidenheit. Er weigerte sich, beim Gottesdienst auf einem eigens für ihn errichteten Thron zu sitzen, trug schlichte Kleidung und erkor eine Klosterzelle zu seiner Residenz.

Martin führte als Bischof zahlreiche Missionsreisen durch das Land, auf denen er die Getauften stärken und Nicht-Christen von der Botschaft Jesu Christi überzeugen wollte. Zustatten kamen ihm bei diesen Reisen seine Wortmächtigkeit, seine Wundertaten und Wunderheilungen (z. B. 386 in Trier) und ein über alle Verdächtigungen erhabener Gerechtigkeitssinn. Dadurch verkörperte er ein Ideal: der Mönch als Priester, Arzt und Nothelfer.

Tod und Erinnerung

Der Tod erreichte Martin auf einer seiner Reisen: Er starb am 8. November 397, im Alter von etwa 81 Jahren, in Candes und wurde am 11. November in Tours unter größter Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Nicht Martins Todestag – wie sonst üblich – wurde schon bald in der ganzen Kirche als hoher Festtag begangen, sondern der Tag seiner Beisetzung. Die Begründung liefert das Datum: Auf den 11. November fiel ein bäuerlicher Stichtag, an dem das Personal wechselte und die Pacht fällig war. Später wurde dieser Tag der Beginn der vorweihnachtlichen Bußzeit.

Der heilige Martin erwarb in der Meinung des breiten Kirchenvolkes als einer der ersten Heiligen die sanctitas (lat. = Heiligkeit) durch das unblutige Martyrium der Askese (martyrium sine cruore) und durch charismatische Wunderkraft. Nicht mehr ein Märtyrertod, sondern sein Leben und Wirken begründeten seine Verehrung als Bekenner – das Leben eines Glaubensbekenners galt als unblutiges Martyrium, der Bekenner als martyr ex voto.

Heute ist das Sankt-Martins-Fest tief im deutschen Brauchtum verwurzelt. In seinem Mittelpunkt steht Martins barmherziger Akt der Mantelteilung. Viele der damit verbundenen Bräuche, wie etwa der Martinsumzug mit Laternen oder die berühmte „Martinsgans“, haben jedoch nur noch wenig inhaltlichen Bezug zum Leben und Wirken von Sankt Martin.