Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis 2017

Die Autorin Anna Woltz und die deutsche Übersetzerin Andrea Kluitmann erhalten den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz für das im Carlsen Verlag erschienene Buch „Gips oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte“. Die Jury unter Vorsitz von Weihbischof Robert Brahm (Trier) hat das diesjährige Preisbuch aus 241 Titeln ausgewählt, die von 64 Verlagen eingereicht wurden. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 € wird zwischen Autorin (4.000 €) und Übersetzerin (1.000 €) aufgeteilt.

Vorwort 2017

Wie können Verletzungen und Wunden heilen? Für Fitz, die Protagonistin des diesjährigen Preisbuches „Gips oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte“ von Anna Woltz, steht ein Weg fest: Eingipsen! Unter einem Gipsverband kann ein Bruch zur Ruhe kommen, und nach einiger Zeit, wenn der Verband entfernt wird, ist alles wieder ganz. Fitz, zwölf Jahre alt, weiß auch, wer schnellstmöglich einen solchen Gips benötigt: ihre Familie. „Wenn jetzt jemand vorbeikommt, ist sofort klar: WOW. Das hier ist eine Familie, die wirklich dringend eingegipst werden muss.“

Eigentlich ist Fitz mutig und weiß genau, was sie will. „Ich weine fast nie. Ich bin keine Anstellerin und alle meine Opas und Omas leben noch.“ Doch die Trennung der Eltern wirft sie aus der Bahn. Fitz ist wütend und tief verletzt. Sie fragt sich, was für eine Familie man noch sein kann, wenn die Eltern entscheiden, fortan getrennte Wege zu gehen. Als daraufhin ihrer kleinen Schwester Bente nach einem Fahrradunfall im Krankenhaus die Fingerkuppe wieder angenäht werden muss, geht Fitz in den vielen Fluren auf Entdeckungsreise. Sie trifft auf einen Jungen und ein Mädchen, Adam und Primula, und zusammen gipsen sie Fitz‘ Arm ein. Der ist zwar gar nicht kaputt, aber der Gips gibt Fitz Sicherheit und Halt zurück, er ist ihr „Panzer“ und ihre „Rüstung“: „Mein Körper zittert. Nur mein Gipsarm fühlt sich stark an. Der Rest ist weich und schlapp und kann jeden Moment zusammenbrechen.“

Fitz möchte ihre Welt reparieren, die mit der Trennung der Eltern zerbrochen ist. Der starre Gips an ihrem Arm kann nichts heilen, aber Fitz ist nun stark genug für ein offenes Gespräch mit ihrer Mutter. Danach ist nicht alles wie vorher, aber Fitz‘ Familie und ihre Welt rücken wieder ein Stück zusammen.

Wir alle kennen Verletzungen, die wir am liebsten eingipsen würden. Wir sehnen uns nach Heilung und einer Rüstung, wenn wir uns schwach fühlen und Brüche in unserer Welt auftauchen. Mit der kleinen Fitz hat Anna Woltz ein starkes und mutiges Mädchen geschaffen, was an diesem einen Tag im Krankenhaus nicht nur ihre eigene Welt repariert, sondern auch für die Menschen, denen sie begegnet, zur Heilsbringerin wird.

Für die Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises

 

Weihbischof Robert Brahm,
Vorsitzender der Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises

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