Gesprächsprozess

Der Auftakt des von der Deutschen Bischofskonferenz initiierten Gesprächsprozesses der katholischen Kirche in Deutschland ist am 9. Juli 2011 in Mannheim mit einem feierlichen Gottesdienst zu Ende gegangen. 300 Teilnehmer, unter ihnen Vertreter aus den Bistümern, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken und den Hochschulen, Ordensleute und Verbändevertreter waren dazu vom 8. bis 9. Juli nach Mannheim gekommen.
Übereinstimmend bewerteten die anwesenden Bischöfe und Laienchristen, dass es sich um einen „Dialog auf Augenhöhe“ gehandelt habe.
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Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, sagte: „Das Wagnis hat sich gelohnt. Die Standortbestimmung, wo wir im Glauben heute stehen, war notwendig. Es gab eine Atmosphäre des Zuhörens. Der Austausch von Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen war bereichernd. Ich bin beeindruckt von der großen Solidarität und Sympathie in Bezug auf unsere Kirche.“ Das Motto des Gesprächsforums „Im Heute glauben – wo stehen wir?“ sei Grundlage eines von großem Respekt getragenen Redens über den Glauben und über die Kirche von Morgen gewesen. „Die Richtung unseres Weges stimmt. Ich darf Ihnen versichern, dass wir diesen Weg weitergehen werden. In Mannheim durften wir erleben, was es heißt, im Glauben verbunden unterwegs zu sein“, so Zollitsch. „Ich habe gespürt: Da wächst eine neue Kommunikations- und Sprachfähigkeit in unserer Kirche in Deutschland.“
Erzbischof Zollitsch kündigte als weitere Schritte der nächsten Monate an, dass die Teilnehmer der Veranstaltung zunächst eine Zusammenfassung der zahlreichen, in den vielen Kleingruppen vorgebrachten Äußerungen und Einsichten erhalten. Im August werde er – gemeinsam mit der für den Prozess geschaffenen Steuerungsgruppe, also Kardinal Marx und den Bischöfen Bode und Overbeck – den Papst in Castelgandolfo über den bisherigen Verlauf des Prozesses informieren. Alle Teilnehmer von Mannheim lud Zollitsch zur Teilnahme an der Eucharistiefeier mit Papst Benedikt XVI. in Freiburg und der abschließenden Rede des Papstes im Konzerthaus ein. Die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz werde sich im Oktober mit dem Fortgang des Gesprächsprozesses befassen.
Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx erwartet vom Gesprächsforum in Mannheim einen dauerhaften Impuls: „Wir wollen einen Weg weitergehen und müssen nun schauen, wie wir aus der Dynamik der Standortbestimmung Schwerpunktthemen gewinnen. Alle zentralen Themen sollen bei diesem mehrjährigen Prozess Raum finden. Dabei ist es wichtig, dass der Begriff der Communio, der Gemeinschaft wieder deutlich wird: Alle Getauften und Gefirmten sind Zeugen der Botschaft des Herrn.“ Kardinal Marx fügte hinzu, dass Dialog nicht bloß ein Tun sei, sondern auch Kennzeichen einer inneren Haltung.
Bischof Franz-Josef Bode von Osnabrück würdigte die Offenheit und Transparenz, mit der das Gesprächsforum stattgefunden habe. „Ich habe in Mannheim erlebt, dass sich der Grundwasserspiegel des Vertrauens wieder gehoben hat.“ Dabei sei es notwendig, das eigene Suchen in eine neue Richtung zu wenden. „Wer diesen eigenen inneren Richtungswechsel wagt, der kann einen Dialog führen“, so Bode.
Als ein solides Miteinander und einen guten Kommunikationsstil würdigte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck das Gesprächsforum. „Es gibt keine Spaltung der Kirche in Deutschland, auch keine Anzeichen dafür. Das Treffen in Mannheim war ein deutliches Zeichen der Einheit der Kirche in unserem Land“, so Overbeck. Die große Herausforderung sei es nun, die vielen Fragen und Impulse für ein Gesprächsprogramm fruchtbar zu machen. In Mannheim sei die gesamte Vielfalt der katholischen Kirche sichtbar gewesen: „Diese Breite hat gezeigt, dass wir zusammengehören.“
Während eines Pressegesprächs würdigte der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Dr. Stefan Vesper, das gegenseitige Vertrauen, das man sich in Mannheim entgegen gebracht habe. „Der Vertrauensvorschuss der deutschen Bischöfe ist für uns ein sehr positives Zeichen“. Nach Auffassung Vespers sei der Katholikentag im nächsten Jahr in Mannheim eine gute Gelegenheit, einzelne Fragen des Gesprächsprozesses konkreter anzugehen.
Maria Theresia Opladen, Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, bezeichnete den Auftakt des Prozesses als wichtigen Schritt, dem unbedingt weitere folgen müssen. „Es darf keine Angst vor den Problemen der Kirche geben.“ Die Steyler Ordensfrau Schwester Miriam Altenhofen zeigte sich beeindruckt von der offenen und ehrlichen Analyse von Stärken und Schwächen der Kirche in der Gegenwart: „Daraus können wir lernen und müssen versuchen, Perspektiven zu entwickeln.“ Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, bewertete den Auftakt als gelungen: „Wir haben insgesamt ernsthafte Diskussionen mit Tiefgang geführt, ohne einander anzuklagen.“
Die deutschen Bischöfe haben für das Gesprächsforum eine Themenbreite gewählt und eine Teilnehmerschaft eingeladen, die die vielstimmige Bandbreite der katholischen Kirche in Deutschland abbildet. An der Veranstaltung haben rund 30 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz teilgenommen.
Eingeladen waren haupt- und ehrenamtliche Teilnehmer aus den 27 deutschen Diözesen sowie zum Beispiel Vertreter des Deutschen Caritasverbandes und der Deutschen Ordensobernkonferenz, Vertreter der katholischen theologischen Fakultäten, der kirchlichen Bewegungen und geistlichen Gemeinschaften und Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
Ziel des Gesprächsforums in Mannheim war die gemeinsame Erörterung der Fragestellung:
„Wo stehen wir mit unserem Glauben und als Kirche heute in der Welt?“
Während vier Arbeitseinheiten sollte Überlegungen nachgegangen werden, was die Stärken der Kirche sind, wo Schwächen liegen, welche Glaubensinhalte die Kirche den Menschen nahe bringen will und wo eine Weiterentwicklung von Nöten ist. In einer offenen und vertrauensvollen Atmosphäre war es möglich, dass sich die Teilnehmer gegenseitig zuhören und miteinander ins Gespräch kommen konnten. Es ging um eine vertiefte Klärung und Vergewisserung des Zeugnisses der Kirche in der Welt und ihrer Sendung zu den Menschen.
Das Gesprächsforum war eingebettet in einen geistlichen Rahmen: zum Auftakt eine kurze Andacht zum Heiligen Geist, ein meditatives Nachtgebet in der Mannheimer Heilig Geist-Kirche, ein Morgenlob am Samstag und eine festliche Eucharistiefeier zum Abschluss des Forum, die die Verantwortung für das Wirken der Kirche in der Welt von heute und die Freude am gemeinsamen Glauben stärken sollte.
Der Gesprächsprozess der deutschen Bischöfe wurde auf der Herbst-Vollversammlung 2010 in Fulda beschlossen. Er betrifft Veranstaltungen in den Diözesen wie auch überdiözesane Initiativen. Mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat die Bischofskonferenz zwei Projekte als Bestandteile dieses Prozesses vereinbart. In ihnen geht es einerseits um die Frage des Zueinanders der kirchlichen Ämter und Aufgaben von Priester und Laien, andererseits um das Engagement der Kirche in der Welt von heute. Die Gesamtlinie des Prozesses haben die deutschen Bischöfe während ihrer Frühjahrsvollversammlung in Paderborn in einem gemeinsamen Wort „Im Heute glauben“ veröffentlicht.
Der Gesprächsprozess ist auf fünf Jahre angelegt. Wegmarken dieses Prozesses sind unter anderem der Papstbesuch 2011 in Deutschland, der Katholikentag 2012 in Mannheim, der Nationale Eucharistische Kongress 2013 in Köln, der Katholikentag 2014 und das Jubiläum zum 50. Jahrestag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils 2015.
Die Deutsche Bischofskonferenz hat außerdem in Entsprechung zu den Lebensvollzügen der Kirche (Diakonia, Liturgia, Martyria) Jahresthemen definiert, die dem Gesprächsprozess eine Struktur geben:
Im Heute Glauben. Wort der Deutschen Bischöfe an die Gemeinden. 17. März 2011.
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Discussion process (English)
The German Bishops’ Conference is launching a discussion process for the coming four years which is to lend a theological profile and solidarity within the Church to the path of faith of our Church in Germany into this new Century which is starting.
Living In Faith Today. Statement by the German Bishops to the Parishes.
17 March 2011. Download PDF
Processus de dialogue (Français)
La Conférence épiscopale allemande invite au cours des quatre années à venir à un processus de dialogue qui servira à conférer au chemin de la foi de notre Église en Allemagne, à l’entrée dans ce nouveau siècle, un profil théologique et une cohésion ecclésiale.
Croire aujourd’hui. Déclaration des évêques allemands aux paroisses.
17 mars 2011. Download PDF
Dibattitto nei prossimi (Italiano)
La conferenza episcopale tedesca invita a intraprendere un dibattitto nei prossimi quattro anni che conferisca al cammino di fede della nostra Chiesa in Germania nel millennio appena iniziato, profilo teologico e coesione ecclesiale.
Credere oggi. Messaggio dei vescovi tedeschi alle comunità.
17 marzo 2011. Download PDF
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