Dokumentation Hannover

 

Gesprächsforum in Hannover, 14. – 15. September 2012

Vom 14. bis 15. September 2012 fand in Hannover ein zweites Jahresforum im Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz statt. Das Treffen stand unter dem Thema „Die Zivilisation der Liebe – unsere Verantwortung in der freien Gesellschaft“. Es sollte Konturen einer dienenden Kirche klären und auf diese Weise die Herausforderung der Diakonia der Kirche erörtern. Tagungsorte sind das Congress Centrum Wienecke und die benachbarte Kirche St. Michael in Hannover gewesen.

Der Ablauf und die Arbeitsergebnisse der zweitägigen Veranstaltung sind hier dokumentiert.

  

Bildergalerie Hannover 2012

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Ziel

Bereits im Januar 2010 hat die Deutsche Bischofskonferenz einen ersten Beschluss gefasst, vor dem Jubiläum des 50-jährigen Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils eine Standortbestimmung der katholischen Kirche in Deutschland vorzunehmen. Die Aufdeckung der Missbrauchsfälle hatte die Notwendigkeit eines intensiveren inner- und außerkirchlichen Dialogs deutlich gemacht. Bei der Frühjahrs-Vollversammlung 2011 haben sich die Bischöfe für den Gesprächsprozess entschieden, den sie unter das Generalthema „Im Heute glauben“ stellten und der bis zum Jahr 2015 dauert.  Die Auftaktveranstaltung fand am 8. und 9. Juli 2011 in Mannheim statt.
Zur Dokumentation Mannheim 2011

 

In einem geistlich geprägten Prozess wird in diesen Jahren aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage nachgegangen, vor welche Herauforderungen Christus die Kirche in ihren wesentlichen Selbstvollzügen stellt und wie die Impulse des Zweiten Vatikanischen Konzils gegenwärtig zur Geltung gebracht werden können. Das konkrete Ziel des Gesprächsforums in Hannover war es, einige der in Mannheim entworfenen Zukunftsbilder für die Kirche von morgen zu definieren – mit Blick auf den christlichen Dienst am Menschen und an der Gesellschaft. Die Kirche will mitbauen an einer „Zivilisation der Liebe“. Sie trägt Verantwortung für die Menschen und die Gesellschaft. In welche Verantwortung ist sie aufgrund ihrer Sendung gestellt?

Dabei ging es in Hannover um die genauere Ausgestaltung von drei Zukunftsbildern, die in Mannheim entwickelt wurden: das Bild einer Kirche, die der Vielfalt des heutigen Lebens positiv begegnet, die den Menschen nahe ist und die in der Gesellschaft aktiv ist.

 

Teilnehmende

Ein junger Teilnehmer aus dem Bistum Regensburg. Foto: kna

Rund 300 Teilnehmer haben sich in Hannover getroffen. Sie spiegelten die Vielfalt der katholischen Kirche in Deutschland wieder. Unter den Anwesenden waren:

  • 33 Bischöfe bzw. deren Vertreter,
  • 189 Delegierte aus den 27 Diözesen – darunter ehrenamtliche Gemeindemitglieder, Hauptberufliche aus der Pastoral, Priester und Diakone,
  • 10 Mitglieder der Geistlichen Bewegungen,
  • 10 Mitglieder der Deutschen Ordensobernkonferenz,
  • 10 Professoren und Professorinnen des Katholisch-Theologischen Fakultäten,
  • 15 Vertreter des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken,
  • 10 Vertreter des Deutschen Caritasverbandes,
  • 5 Vertreter der Militärseelsorge und
  • 11 von der Bischofskonferenz benannte Teilnehmer (u. a. Vertreter der muttersprachlichen Gemeinden, des Forums Deutscher Katholiken und der Hilfswerke).

Zum Teil haben sich die Mitwirkenden in ihren kirchlichen Herunftsorten oder Verbänden bereits intensiv auf die Jahresveranstaltung vorbereitet.

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Auftakt

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, und einem Gebet zum Heiligen Geist haben zunächst die Mitglieder der bischöflichen Steuerungsgruppe für den Gesprächsprozess, Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Kardinal Reinhard Marx (München und Freising) kurze Impulsvorträge gehalten. Diese umfassten die Themen: „Gesellschaftliche Pluralität – Vielfalt und Einheit des Katholischen“, „Diakonisches und pastorale Wirken der Kirche“ und „Auftrag und Verantwortung für die Gesellschaft“. Die Themen entstammen den  „Zukunftsbildern“, die im vergangenen Jahr in Mannheim  entworfen wurden.

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen)
Impuls zum Zukunftsbild Vielfalt als Bereicherung erleben:
„Gesellschaftliche Pluralität – Vielfalt und Einheit des Katholischen“
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Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück)
Impuls zum Zukunftsbild Den Menschen nah sein:
„Diakonisches und pastorales Wirken in der Kirche“
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Reinhard Kardinal Marx (München und Freising)
Impuls zum Zukunftsbild Gesellschaftlich initiativ und politisch präsent und wirksam sein:
„Auftrag und Verantwortung für die Gesellschaft“
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Methodik

Eine Arbeitsgruppe trägt ihre Überlegungen auf dem iPad zusammen. Foto: kna

Wie bereits in Mannheim wurde für das Gespräch mit den 300 Teilnehmern eine besondere Form der Großgruppenmoderation gewählt. Dabei saßen die Teilnehmer zunächst in zufällig ausgelosten Gruppen zu je acht Personen an 40 Tischen. Zum Auftakt des zweiten Tages wurden die Ergebnisse vom Vortag in einer besonders moderierten Runde, der so genannten Fish-Bowl, diskutiert, bei der alle 300 Teilnehmer in einem großen Stuhlkreis sitzen. Im Zentrum des Kreises nahmen elf Vertreter aller Teilnehmer Platz, die über die Empfehlungen diskutierten, die zuvor an den Tischen entwickelt worden waren. Ein freier Platz, der abwechselnd von einem Teilnehmenden in Anspruch genommen werden konnte, ermöglichte, dass auch weitere Teilnehmer sich aktiv an der Debatte beteiligen konnten.

Als technische Hilfsmittel wurden i-Pads eingesetzt, in die die Teilnehmenden ihre Anregungen und auch Handlungsempfehlungen ungefiltert schreiben konnten. Alle waren mit einem Tagungsbuch ausgestattet, in dem Gebete und Lieder sowie die Leitfragen des Gesprächsforums zu finden sind. Das Tagungsbuch hat die Teilnehmer während der Veranstaltung begleitet und Raum für persönliche Notizen und Gedanken gegeben.

Leitfragen

Ganz zu Beginn wurde als erste Leitfrage für die Eingabe in die i-Pads gestellt: „Was ich vom diesjährigen Gesprächsprozess erwarte“. Anschließend trugen die Bischöfe ihre Statements vor, die von den Teilnehmenden ebenfalls per i-Pad kommentiert werden konnten. In mehreren Moderationsrunden wurden die Erwartungen und das Gehörte der Referate gebündelt.

Eine erste Runde stellte drei Arbeitsfragen, denen sich die Teilnehmer aussetzten: Welche Vielfalt in Kirche und Gesellschaft erleben wir als Bereicherung? Wieso glauben wir, nicht nah bei den Menschen zu sein? In welchen Aktionsfeldern müssen wir gesellschaftlich initiativ sowie politisch präsent und wirksam sein?
In einer zweiten Diskussionsrunde galt es, die durch die Arbeitsfragen erarbeiteten Gedanken nach ihrer Dringlichkeit zu bewerten – unter der Leitfrage: „Wo drängt es uns, als Kirche Verantwortung zu übernehmen?“
In der dritten Runde wurden aus den als drängend bewerteten Themen Handlungsempfehlungen formuliert – unter der Leitfrage: „Was müssen wir tun?“

Die Gedankenzettel eines Redaktionsteams für die Arbeit am nächsten Tag. Foto: kna

In einem weiteren Moderationsschritt wurden die Teilnehmenden zum Ende des ersten Arbeitstages gebeten: „Bitte erfassen Sie alle Handlungsempfehlungen, an denen Sie morgen weiter arbeiten möchten.“ Diese 255 Nennungen wurden zur besseren Strukturierung der Arbeit von einem Redaktionsteam gebündelt und den Teilnehmern am nächsten Morgen zur Verfügung gestellt. In der Dokumentation findet sich diese gesamte Liste der Eintragungen, die wortwörtlich aus den i-Pads übernommen wurde. Das heißt: Es sind spontane Äußerungen mit Tippfehlern und Ideen.

Diese Gedankensammlung (Cluster nach Zukunftsbildern) für die Weiterarbeit finden Sie hier:
Gedankensammlung (Cluster) herunterladen
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Bischof Feige und Bischof Bode (v. li.) bei der Reflexion des Vortages. Foto: kna

Die Gesamtliste der Empfehlungen war am Morgen des zweiten Tages Grundlage für die oben erwähnte Fish-Bowl- Diskussion. Auch hier konnten die Teilnehmer ihre spontanen Gedanken in die i-Pads schreiben. Das gesamte Material führte dann zum anschließenden Konkretisierungsschritt, bei dem sich die Teilnehmer entsprechend ihrer kirchlichen Verortung in so genannten „homogenen Gruppen“ trafen: Bischöfe, Gemeindevertreter, Professoren etc. Die zentrale Frage lautete dann: „Was gehen wir in unserer Gruppierung zur Verwirklichung der Zivilisation der Liebe an?“

In diesen „homogenen Gruppen“ wurden erste Schritte formuliert, die die jeweiligen Gruppenmitglieder bevorzugt angehen und in besonderer Weise aufgreifen wollen. Es sind die zentralen Ergebnisse des Austauschs von Hannover.

Die Kernsätze finden Sie hier:

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch fasste die Kernsätze der Arbeitsgruppen in seinem Schlusswort zusammen. Er würdigte die gute Diskussionskultur und kündigte an, dass sich die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz mit den Ergebnissen des Gesprächsprozesses in Hannover befassen werde.

 

Eucharistiefeier zum Abschluss

Die Teilnehmer stellten ihr Gesprächsforum in Hannover unter den Segen Gottes und trafen sich zum Abendgebet am Freitag und zur abschließenden Eucharistiefeier in der nahe gelegenen Kirche St. Michael. Den Vorsitz hatte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch.

Predigt von Erzbischof Zollitsch
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Bildergalerie Gebet und Gottesdienst

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Pressekonferenz

Pressekonferenz in Hannover (v. li.): Alois Glück, Kardinal Marx, Erzbischof Zollitsch, Birgit Mock (KDFB) und Yvonn Hürten (Caritasverband Lübeck). Foto: kna

Erste Ergebnisse und Zusammenfassungen wurden den anwesenden Medienvertretern auf einer Pressekonferenz präsentiert.
Zur Pressemitteilung vom 15.09.2012

Interviews von Erzbischof Zollitsch mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA)

Interview von Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA)


Ausblick

Das Gesprächsforum von Hannover wird zunächst ein Thema auf der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz Ende September 2012 in Fulda sein. Bereits jetzt steht der Termin für das dritte Gesprächsform fest, das vom 13. bis 14. September 2013 stattfinden wird.

 

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