Zur Lage in Syrien und im Irak

Mehr als 500 deutsche und orientalische Christen beten am 17. August 2014 in der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale für die verfolgten religiösen Minderheiten im Irak und in Syrien. © KNA
Zwei Demonstranten halten Plakate mit dem Aufruf zum Ende der Gewalt im Irak und in Syrien hoch.

Nachdem zwischenzeitlich je ein Drittel Syriens und des Iraks unter der Terrorherrschaft des vom selbsternannten Islamischen Staat (IS) ausgerufenen Kalifats gestanden hatten, haben mittlerweile sowohl in Syrien als auch im Irak Kampagnen zur Rückeroberung vor allem strategisch wichtiger Städte und Landstriche begonnen. Die UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte Palmyra mit ihren bedeutenden Denkmälern römischer Architektur ist wieder unter der Kontrolle des Regimes von Bashar al-Assad. Auch im Irak hat eine Offensive der Armee begonnen, die zweitgrößte Stadt Mossul aus den Händen der Terrormiliz zu befreien. Im Nordwesten Syriens liefern sich Verbände der syrischen Opposition in und um Aleppo Kämpfe mit dem IS.

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Dennoch stehen noch große Gebiete in Syrien und dem Irak unter der äußerst brutalen Herrschaft des IS. Dessen Taten bezeichnete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx als „barbarische Akte der Gewalt“, die sofortige humanitäre Hilfe nötig machten. In einer solchen Situation sei es erlaubt, „Menschen zu retten mit all den zur Verfügung stehenden Mitteln. Menschen aus existenzieller Angst und Lebensbedrohung zu retten, ist nicht nur erlaubt, sondern geboten.“ Angesichts der dramatischen Lage der Christen und Jeziden im Nordirak appellierte der Kardinal an islamische Religionsführer, den IS und seine Gewalttaten deutlich und öffentlich zu verurteilen. Es sei ihre Aufgabe, nun ein Zeichen des Friedens zu setzen.

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Flucht und Vertreibung religiöser Minderheiten

Kinder im Flüchtlingslager Bersive im nordirakischen Governatorat Dohuk.
© KNA/Andrea Krogmann

Besonders betroffen von der Terrorherrschaft des IS sind die religiösen Minderheiten in den Gebieten des Iraks und Syriens. Gerade Christen und Jesiden werden mit großer Brutalität verfolgt. Ihnen bleibt nur die Flucht, verweigern sie sich der vom IS geforderten Zwangskonversion. Jenen, die weder konvertieren noch fliehen, droht der Tod. Doch auch gemäßigte Muslime, die sich nicht seiner Version des Islam unterwerfen wollen, müssen sich vor dem IS fürchten.

Auch der Hildesheimer Bischof Trelle zeigte sich tief besorgt. „In Syrien, im Heiligen Land und im Irak sind Unzählige auf der Flucht. Vor diesem Leid dürfen wir unsere Augen nicht verschließen. Es ist die Pflicht der internationalen Gemeinschaft, den Flüchtlingen humanitäre Hilfe zukommen zu lassen und die Menschen vor Krieg und Verfolgung zu schützen.“

Die Nahost-Expertin von Caritas International, Angela Gärtner stellt hierzu fest, dass alle militärischen Interventionen und jegliche humanitäre Hilfe von einem tragfähigen, langfristig angelegten politischen Prozess begleitet werden müssten, der auf die Aussöhnung zwischen den islamischen Konfessionen untereinander sowie dem Islam und den anderen Religionen abziele. Nur so könne nach der Befreiung der durch den IS besetzten Gebiete eine Wiederansiedlung der Binnenvertriebenen gewährleistet werden.

Solidarität mit Flüchtlingen im Nahen Osten

Zum Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen am 20. Juni rufen die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland mit ihren Hilfswerken Caritas international und Diakonie Katastrophenhilfe dazu auf, das Leid und die Not der hilfsbedürftigen Menschen im Nahen Osten nicht zu vergessen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz sprechen sich insbesondere für eine stärkere Unterstützung der Flüchtlingshilfe in den Nachbarländern Syriens auf. „Die Menschen aus Syrien und dem Irak brauchen jetzt unsere Hilfe und unsere Solidarität. Bitte unterstützen Sie die Arbeit der Hilfswerke in der Region“, appellieren der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm. Die beiden Kirchen in Deutschland setzen sich gemeinsam mit ihren Hilfswerken gegen das Vergessen dieser Katastrophe ein und rufen zu Spenden für Caritas international und die Diakonie Katastrophenhilfe auf.

Humanitäre Hilfe der Kirche

Die akute Gefährdung von Bevölkerung und Vertriebenen im Irak wird nicht kurzfristig behoben werden können. Daher ist vor allem humanitäre Soforthilfe angezeigt. Besonders Unterkünfte, Lebensmittel, Trinkwasser und Hygieneartikel werden benötigt. Der Bamberger Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick stellte 30.000 Euro Soforthilfe aus den Mitteln des Katastrophenfonds zur Verfügung und appellierte an die internationale Gemeinschaft, die humanitäre Hilfe deutlich auszuweiten. Europa und nicht zuletzt Deutschland seien in der Pflicht, auch mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Sein Hildesheimer Amtsbruder Trelle rief ein für die Dauer des Bistumsjubiläums befristetes Spendenprojekt zu Gunsten der Flüchtlinge ins Leben.

Neben der humanitären Hilfe dürfen, so die deutschen Bischöfe in ihrer Erklärung vom 25. August 2014, auch militärische Maßnahmen, zu denen auch die Lieferung von Waffen an eine im Konflikt befindliche Gruppe gehört, nicht ausgeschlossen werden. Man müsse diese Maßnahmen jedoch eingehend prüfen und dürfe sie niemals als selbstverständliches Mittel der Friedens- und Sicherheitspolitik betrachten. Sie könnten aber in bestimmten Situationen nicht ausgeschlossen werden, sofern keine anderen Handlungsoptionen vorhanden sind, um die Ausrottung ganzer Volksgruppen und massenhafte schwerste Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.

Diese Mittel der Politik müssten allerdings immer durch weitgehende und nachhaltige humanitäre Hilfe begleitet werden. Dies sei nicht nur, so die deutschen Bischöfe, Aufgabe der Staaten. Alle können zur Hilfe beitragen. Caritas international, das auf Not- und Katastrophenhilfe spezialisierte Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, sorgt mit Hilfe der Partner vor Ort für eine wirksame Unterstützung der Notleidenden. Hierfür wird eindringlich um Spenden gebeten, die das Los der Bedrängten erleichtern.

Mehr lesen: Erklärung des Ständigen Rates vom 25.08.2014

Appell des Papstes

Zelte im Flüchtlingslager Bersive im nordirakischen Governatorat Dohuk.
© KNA/Andrea Krogmann

Auch Papst Franziskus erneuerte in einem Schreiben an den Generalsekretär der Vereinten Nationen seinen „dringenden Appell an die internationale Gemeinschaft […], aktiv zu werden, um die jetzige humanitäre Tragödie zu beenden […]“. In diesem stellte er klar, dass „die tragischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts und das Grundverständnis der Menschenwürde […] die internationale Gemeinschaft [verpflichten], insbesondere mit Hilfe der Normen und Instrumente des Völkerrechts alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die systematischen Gewaltakte gegen ethnische und religiöse Minderheiten zu stoppen und weiterer Gewalt vorzubeugen.“

In einem Telefonat versicherte der Papst den chaldäischen Patriarchen von Bagdad seiner Trauer und Nähe mit den verfolgten Christen im Irak. Gleichzeitig stellte er eine Soforthilfe in Höhe von 30.000 Euro durch den Päpstlichen Rat „Cor unum“ zur Verfügung, um den von der Vertreibung durch IS betroffenen Gläubigen schnell und konkret zu helfen.
Bei einer Pressekonferenz während des Rückfluges nach seiner Südkorea-Reise stellte der Papst fest, dass „grausame Angreifer wie im Irak gestoppt werden müssen“. Er plädiere keineswegs für Bombardierungen oder Kriegseinsätze. Aber die Vereinten Nationen seien gerade jetzt aufgerufen, zusammenzuhalten und geschlossen zu handeln, um weiteres Leid zu verhindern.

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