| Pressemeldung | Nr. 125

Neunter Workshop der Maximilian-Kolbe-Stiftung in Oświęcim/Auschwitz beendet

Erzbischof Schick: „Wer nicht an das Gute im Menschen glaubt, wird nicht für Versöhnung wirken“

Der IX. Europäische Workshop zum Umgang mit der gewaltbelasteten Vergangenheit von Auschwitz geht heute (16. August 2018) in Oświęcim/Auschwitz (Polen) zu Ende – ein jährlicher Beitrag der Maximilian-Kolbe-Stiftung zum internationalen Dialog und zur Konfliktbearbeitung. Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, erinnerte in seiner Predigt während des Workshops daran, dass Versöhnung den Glauben daran brauche, dass der Mensch grundsätzlich gut und zum Guten fähig sei: „Der Glaube an die Gottesebenbildlichkeit des Menschen ist die Basis dafür, dass Versöhnung überhaupt zwischen Menschen möglich ist. Wer nicht an das Gute im Menschen glaubt, wird nicht für Versöhnung wirken.“ Zugleich, so Erzbischof Schick, sei die Überwindung von Vorurteilen über einzelne Menschen, aber auch über Völker und Nationen für Versöhnung unbedingt notwendig. „Die Basis für jeden Dialog der Wahrheit und der Liebe, um Versöhnung zu erreichen, ist die Anerkennung der Gleichheit aller Menschen, die sich auch alle nach Gerechtigkeit, Frieden, Solidarität und Harmonie sehnen“, sagte Erzbischof Schick.

Erzbischof Schick wies bei der Tagung auch darauf hin, dass es für die Versöhnung unter Menschen und Völkern wichtig sei, intensiver über die Schöpfungstheologie nachzudenken: „Sie kann uns helfen, den Menschen in seiner Psyche und sozialen Veranlagung besser zu erkennen. Das kann hilfreich sein, um die Möglichkeiten für Versöhnung und Frieden besser wahrzunehmen“, so Erzbischof Schick. „Als ein Mitgefangener in den Hungerbunker sollte, bot sich der heilige Maximilian Kolbe als ‚Ersatzmann‘ an, weil ihn die Liebe Christi drängte, ein Zeichen der Mitmenschlichkeit zu setzen. Für Christen ist es deshalb Aufgabe und Auftrag, die Liebe Christi zu verkünden, damit möglichst viele die Zivilisation der Liebe – wie sie der heilige Johannes Paul II. immer wieder forderte – verbreiten.“

Zum Abschluss der Tagung sagte Erzbischof Schick: „Der geteilte Respekt vor den Leiden der Opfer sowie die gemeinsame Nachdenklichkeit angesichts der Biographien der Täter haben in diesen Tagen eine gute Grundlage gebildet, um über die gegenwärtige Bedeutung der Erfahrung von Auschwitz zu sprechen. Auch die Kirche steht vor der Herausforderung, sich nicht nur rhetorisch an die Seite der Opfer zu stellen, sondern ein praktisches, bisweilen schmerzhaftes Zeugnis der Gewaltüberwindung zu geben. Die Heiligen Maximilian Kolbe und Edith Stein sind uns in dieser Hinsicht Mahnung und Ermutigung. Diese Perspektive weitet unseren Blick für die Herausforderungen dieser Tage, sei es in Bosnien, Syrien, der Ukraine oder andernorts.“

Das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz brachte Erfahrungen hervor, die prägende Auswirkungen auf die Identität unserer Zivilisation haben. Daher haben sich 30 Teilnehmende aus Polen, Deutschland, Russland, der Ukraine, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Irland, den baltischen Ländern, Italien, den Niederlanden sowie Slowenien – Christen unterschiedlicher Konfessionen und Muslime – intensiv mit den konfliktbeladenen Erinnerungen in und zwischen ihren Ländern auseinandergesetzt. Sie trafen Überlebende von Auschwitz und nahmen an den Feierlichkeiten zum Todestag von Maximilian Kolbe teil. Das Workshop-Projekt soll ein lebendiges Zeugnis für Solidarität mit den Überlebenden, Respekt für die Leiden der Opfer und Aufarbeitung der Gewaltgeschichte sein. Diese Erfahrungen in ihre individuelle Lebenswirklichkeit mitzunehmen, steht für die Teilnehmenden im Fokus.

Hintergrund
Die Maximilian-Kolbe-Stiftung wurde 2007 mit Unterstützung der Polnischen und der Deutschen Bischofskonferenz gegründet. 2015 haben die Vorsitzenden der beiden Bischofskonferenzen das Ziel bekräftigt, die Stiftung weiterzuentwickeln. Die Aufgabe der Stiftung besteht darin, Beiträge zur Stärkung der (kirchlichen) Versöhnungsarbeit in Europa zu leisten und sich für Opfer von Unrecht und Gewalt zu engagieren. Der heilige Maximilian Kolbe gab 1941 sein Leben stellvertretend für einen Mithäftling im Konzentrationslager Auschwitz und setzte damit ein Zeichen, dass Hass und Gewalt nicht das letzte Wort haben. Weitere Informationen unter www.maximilian-kolbe-stiftung.de.


Hinweis:

Das Programm der Tagung ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.