Länderthema

Mit der 2003 gegründeten Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“, wollen die deutschen Bischöfe in den Kirchengemeinden, aber auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit verstärkt auf die Diskriminierung und Drangsalierung von Christen in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam machen.

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Dankgottesdienst mit Erzbischof Ignatius Kaigama in Jos, das im sogenannten Middle Belt von Nigeria liegt. © missio/Hartmut Schwarzbach

2025: Nigeria

Am 3. Dezember 2025 hat die Deutsche Bischofskonferenz eine Arbeitshilfe zur Situation der Christen in Nigeria veröffentlicht. Die Publikation ist Teil der Initiative Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit, mit der die deutschen Bischöfe seit 2003 auf die schwierige Situation von Christinnen und Christen in zahlreichen Ländern aufmerksam machen. 

Die Arbeitshilfe betrachtet die aktuelle Situation der Religionsfreiheit in Nigeria; sie beleuchtet Konfliktlinien, analysiert Hintergründe und lässt Mitglieder der Kirche vor Ort zu Wort kommen.

Bildergalerie Nigeria

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Aktuelle Lage

Mit einem unmissverständlichen Appell zur Freilassung der mehr als 300 entführten Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte der katholischen St. Mary’s School im nigerianischen Papiri, hat die Deutsche Bischofskonferenz am 3. Dezember 2025 in einer Online-Pressekonferenz die Arbeitshilfe als neues Element der Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen unserer Zeit“ vorgestellt. Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Bertram Meier (Augsburg), sprach angesichts der sich häufenden Gewalttaten in Nigeria von „abscheulichen Verbrechen, die man aufs Schärfste verurteilen muss und für die keine Entschuldigungsgründe angeführt werden dürfen“. Erkennbar habe sich die „Spirale der Gewalt“ in Nigeria in letzter Zeit „in dramatischer Weise beschleunigt“. Das Land erlebe bereits seit Langem „religiös unruhige Zeiten“.

Der Erzbischof der Hauptstadt Abuja, Dr. Ignatius Ayau Kaigama, berichtete in der Online-Pressekonferenz aus seinen umfassenden Erfahrungen als Erzbischof von Jos (2000–2019) und Abuja (seit 2019). Er charakterisierte das Handeln der Politik und die Frage der Good Governance als zentrale Faktoren für eine Lösung vermeintlich religiöser Konflikte.

Pfarrer Dirk Bingener, Präsident des Hilfswerkes Missio Aachen und des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ gab Einblick in mehrere Projekte der Kirche in Nigeria, die der Gewaltprävention in kritischen Landesteilen dienen. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei auf die Mitwirkung von Frauen gelegt, „die mit ihrer Arbeit an der Basis Gewalt verhindern und zerrissene Gemeinschaften heilen können“.

Mehr lesen: Pressemitteilung vom 3. Dezember 2025

Informationsbroschüre

Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit: Nigeria. Eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz. Arbeitshilfen Nr. 347 (Bonn 2025)
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Mehr lesen: Nigeria

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas und verfügt mit seinen mehr als 250 Ethnien über einen großen historischen und kulturellen Reichtum. Zu den Schattenseiten gehören allerdings der seit 20 Jahren andauernde islamistische Terror im Norden des Landes sowie der religiös aufgeladene Konflikt zwischen mehrheitlich muslimischen Hirten und größtenteils christlichen Bauern im sogenannten Middle Belt. Insbesondere die Entführung von 270 Schülerinnen durch die Terrororganisation Boko Haram (2014) und die blutigen Angriffe auf christliche Dörfer im Bundesstaat Plateau an Weihnachten 2023 sind hier als traurige Tiefpunkte einer komplexen Situation zu nennen.

In Nigeria stellen die Hausa-Fulani im Norden sowie die Igbo und Yoruba im Süden die Mehrheit der Bevölkerung. Als Vielvölkerstaat in seinen heutigen Grenzen ist das Land ein Produkt europäischer Kolonialpolitik und auch die regionale Verbreitung der beiden größten Religionen, des Islam und des Christentums, wurzelt in der Zeit der britischen Kolonialherrschaft: Während die Mehrheit der im Norden lebenden Nigerianer Muslime sind, gehört der Großteil des Südens dem christlichen Glauben an. Ein kleiner Bevölkerungsanteil wird den traditionellen afrikanischen Religionen zugerechnet.

Trotz seines historischen und kulturellen Reichtums wird Nigeria, das mit „Nollywood“ eine der weltweit größten Filmindustrien besitzt, in den letzten Jahren zunehmend mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht. Zwar konnte die islamistische Terrorgruppe Boko Haram nach der Entführung von über 270 Schülerinnen (2014) zurückgedrängt werden; doch die gezielten Angriffe auf christliche Dörfer im Bundesstaat Plateau an Weihnachten 2023 sorgten für weltweites Entsetzen. Der dahinterstehende Konflikt zwischen Hirten und Bauern sowie die kontinuierlich wachsende Zahl von Entführungen und Raubüberfällen belasten das Land. Hinzu kommt eine sich stetig vertiefende Wirtschaftskrise, die viele Menschen in die Armut zwingt und die Gewaltbereitschaft weiter anfacht. All das bedroht zunehmend das friedliche Miteinander von Muslimen und Christen und führt immer häufiger zu interreligiösen Spannungen.